Autor: Karl W. P. Beyer

Marseille, Nizza und Toulon, die drei größten Städte an der Côte d‘Azur, werden regelmäßig von Kreuzfahrtschiffen besucht. Marseille und Nizza bedürfen keiner weiteren Vorstellung, da sich mit diesen Städten vielfältige Vorstellungen verbinden. Anders sieht es dagegen mit Toulon, dem Port du Levant, aus.

Toulon - Port du LevantToulon - Port du Levant

Läuft ein Kreuzfahrtschiff die Stadt an, fällt der Blick der Reisenden zuerst auf die im Südosten Toulons liegenden Îles d’Hyères, danach erblicken sie vor der Einfahrt in Toulons Naturhafen die Halbinsel Saint-Mandrier-sur-Mer, dann das gewaltige französische Marinearsenal und die Stadtbefestigungen. An Bord der Schiffe werden die Passagiere zwar animiert, Ausflüge nach Aix en Provence, Avignon oder St. Tropez und Port Grimaud zu unternehmen. Touren in andere Orte erscheinen uns aber nur angezeigt, wenn man zum wiederholten Mal Toulon besucht und deshalb Anderes sehen möchte. Ansonsten bietet die Stadt dem Tagesurlauber so viel Sehenswertes, dass es auch für mehrere Tage Aufenthalt reichen würde. An dieser Stelle wollen wir aufzeigen, was es in Toulon zu entdecken und zu unternehmen gibt.

Sehenswürdigkeiten in Toulon Stadt

Toulon - Halbinsel Saint Mandrier sur MerToulon - Frankreichs MarineToulon - La Tour Royale

Neben der provenzalischen Altstadt Vieux Toulon mit vielen Brunnenanlagen, Märkten, Museen, historischen Bauwerken, Plätzen und Monumenten, locken die lichte, repräsentative Oberstadt, der 584 Meter hohe HausbergMont Faron und einige ansprechende Badestrände.

Toulon - Fontaine du Dauphin am Place Paul ComteToulon - Bateau Sculpture

Toulon - Blick vom Mont FaronToulon - Place de la Liberté

Im Zweiten Weltkrieg wurde Toulon von deutschen Streitkräften besetzt. Um die Besatzer zu vertreiben, bombardierten im Jahr 1944 Alliierte Luftstreitkräfte die Hafenregion der Stadt. Im Zuge der Bombardements wurde nahezu die Hälfte des Stadtgebiets zerstört, und die ursprünglichen, barocken Gebäude im Umkreis des Hafens gingen dabei verloren. Moderne Zweckbauten traten an die Stelle der alten Bausubstanz. Die gewaltigen Zerstörungen haben nur wenige Bauten und Denkmäler überlebt.

Toulon - Quai de la SinseToulon - Quai de la Sinse

Das aus dem 18. Jahrhundert stammende Prachttor Porte Monumentale de l’Arsenal des Musée Nationale de la Marine blieb unversehrt. Vier griechische Säulen tragen einen Giebel. Links über dem Giebel thront die Statue des Kriegsgotts Mars und rechts lehnt die Statue der Minerva, der römischen Göttin der Weisheit und Hüterin des Wissens. - Etwas abseits steht auf dem Marinegelände La Tour de l’Horloge ou Tour Carrée, der Glockenturm der Marinebasis. Die Basis ist nicht für Besucher geöffnet. In militärischen Angelegenheiten unterscheiden sich die Franzosen nicht vom Rest der Welt. Vom Haupteingang des Marinegeländes ist der zwischen 1772 und 1775 errichtete Ausguck jedoch gut zu sehen. Die Glocken des Turms zeigten früher den Hafenarbeitern Anfang und Ende ihre Arbeitszeit an.

Toulon - Porte Monumentale de l'Arsenal de Musée de la MarineToulon - La Tour de l'Horloge ou Tour Carrée

Die Kriegsfolgen hat auch La Statue du Génie de la Navigation überlebt. Sie wurde im Jahr 1847 am Quai Constradt eingeweiht. Die zu Ehren König Louis-Philippe errichtete, unbekleidete Bronzestatue eines Mannes deutet mit dem Zeigefinger der linken Hand in Richtung Meer. In unmittelbarer Nähe des Navigations-Genies wurden in der modernen Fassade des „Ehrenrathauses“ die anfänglich im Jahr 1657 geschaffenen Atlantes de Pierre Puget integriert. Die Männerfiguren tragen einen Giebel und stellen die Allegorien der Kraft und der Ermüdung dar. Während das Ehrenrathaus in Trümmer fiel, überstanden sie die Bombardements des 2. Weltkriegs unbeschadet.

Toulon - La Statue du Genie de la NavigationToulon - Die Atlanten des Pierre Puget

In der Altstadt liegt der langgezogene und sehenswerte Straßenmarkt vom Cours Lafayette. Besungen wurde er vom Sohn der Stadt, dem Chansonnier Gilbert Bécaud. Der Markt wird als einer der schönsten provenzalischen Märkte gefeiert. Geöffnet ist er jeden Vormittag (außer an Montagen) in der Zeit von 7:30 bis 12:30 Uhr.

Toulon - Straßenmarkt Cours Lafayette

Toulon - Straßenmarkt Cours Lafayette

Mit dem Bau der in der Altstadt gelegenen und in einer Häuserflucht eingebundenen Cathédrale Sainte Marie de la Seds wurde im 11. Jahrhundert begonnen. Im späten Mittelalter entwickelte sich um die Kirche herum die Altstadt. Erweitert wurde der Dom im 17. Jahrhundert. 1740 wurde der Glockenturm mit einem schmiedeeisernen Kampanile errichtet. Das in sieben Jahrhunderten vollendete und prachtvoll ausgestattete Sakralbauwerk repräsentiert verschiedene Baustile.

Toulon - KathedraleToulon - Glockenturm der KathedraleToulon - Kathedrale - Seitenaltar

 

 


Die im Westen der Altstadt gelegene und oftmals in Reiseführern erwähnte Place d’Armes darf man getrost ignorieren. Sehenswert ist dagegen die mit Platanen bestandene Place Puget. Die Mitte des Platzes ziert die von Bäumen zugewachsene Fontaine des Trois Dauphins, der Brunnen der drei Delphine. Der Platz ist umgeben von Cafés.

Toulon - Place PugetToulon - Place Puget der Brunnen der drei Delphine


Weitere sehenswerte Bauwerke im Stadtzentrum sind …

das Bateau Sculpture, das „Schiffsbugwerk“.  Das beeindruckende Bauwerk stellt die Nachbildung eines königlichen Schiffs des 18. Jahrhunderts dar;

Toulon - Bateau SculptureToulon - Bateau Sculpture

La Porte d’ItalieDas „Italienische Tor“ gehört zu den Resten der Befestigungsanlagen Toulons. Frankreichs berühmter Festungs-Architekt Sébastien Le Prestre, Seigneur de Vauban entwarf den Plan dazu. Eröffnet wurde das Tor im Jahr 1791. Seinen Namen verdankt es dem Umstand, dass Napoleon Bonaparte bei seinem Italien-Feldzug durch dieses Stadttor zog.

Toulon - La Porte d'ItalieToulon - La Porte d'Italie

Die Übergänge zwischen Toulons Altstadt und der Oberstadt verlaufen fließend. Wirkte die Altstadt Toulons noch überwiegend eng und verwinkelt, so ist die nördlich gelegene Oberstadt klar und frisch. Die Bauwerke dieses Stadtteiles entstanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Als kaiserlicher Bauherr tat sich Napoleon III. hervor. Zu den erwähnenswerten Bauwerken der Oberstadt zählen …

die Opéra de Toulon; das standesgemäß an der Place Victor Hugo gelegene, im Jahr 1862 eingeweihte Opernhaus zählt zu den größten Opernhäusern der Grande Nation;

Toulon - Opéra de ToulonToulon - Opéra de Toulon - Rückseite

der Bahnhof;

Toulon - Toulons Bahnhof in der OberstadtToulon - Toulons Bahnhof in der Oberstadt

die Place de la Liberté; Mittelpunkt dieses riesigen Platzes ist die 1889 geschaffene Fontaine de Féderation. Am Platz steht auch das prächtige Grand Hotel;

Toulon - Place de la Liberté mit dem Grand HotelToulon - Grand Hotel

viele repräsentative Bauten des Bürgertums.

Toulon - Bauten in der OberstadtToulon - Bauten in der Oberstadt


Museen in Toulon

Im Minimum besitzt Toulon acht Museen. Besonders hervorzuheben sind …

das Musée du Vieux Toulon; es liegt neben der Kathedrale und präsentiert in zwei Dauerausstellungen die Stadtgeschichte und sakrale Kunst;

das Musée d‘Art; es liegt nahe der Place de la Liberté. Das Renaissance-Bauwerk präsentiert Sammlungen moderner und zeitgenössischer Kunst. Ein besonderes Augenmerk der Kuratoren gilt – wie sollte es auch anders sein - der Malerei der Provence;

Toulon - Musée d'ArtToulon - Musée d'Art

das Hotel des Arts; dieses Museum ist der Kunst des 20. Jahrhunderts bis hin zur Gegenwart gewidmet.

Toulon - Musée des Art - Hinter Bäumen verstecktToulon - Musée des Art - Hinter Bäumen versteckt


Sehenswertes außerhalb der Stadt Toulon

La Tour Royale; die auch La Mitre genannte Festung steht auf einer Landzunge neben der Einfahrt zum inneren Hafen. König Ludwig XII. ließ sie zwischen 1514 und 1524 errichten, um die Bucht von Toulon wirkungsvoll verteidigen zu können.

Toulon - La Tour RoyaleToulon - La Tour Royale

Le Fort Saint-Louis; die an der Baie des Vignettes gelegene Festung wurde 1696 auf Anordnung Vaubans erbaut. Jedes Jahr findet zu Ehren der Festung am 15. August ein prächtiges Feuerwerk statt.

Toulon - Fort Saint LouisToulon - Fort Saint Louis

Mont Faron; im Norden Toulons erhebt sich der 584 Meter hohe Kalksteingipfel des Mont Faron. Der Hausberg der Stadt bietet einen vorzüglichen Blick auf die Stadt, die Marinebasis und die Bucht von Toulon mit den Îles d’Hyères. Es gibt in der Umgebung höhere Berge als ihn, dennoch ist er die bekannteste Erhebung Toulons. Der Gipfel ist mittels einer Straße oder einer regelmäßig verkehrenden Seilbahn zu erreichen. Bei Starkwind wird der Seilbahnbetrieb eingestellt. Auf dem Berg erhebt sich das im August 1964 von General de Gaulle eingeweihte Memorial du Debarquement de Provence. Das vom französischen Verteidigungsministerium unterhaltene Mahnmal ist der Landung der Alliierten und den Kriegstoten des Zweiten Weltkriegs gewidmet. Auf dem Berg wird außerdem der Zoo von Mont Faron unterhalten. Er dient als Zuchtstation von Raubtieren. Die Entfernung zur Bergstation der Seilbahn beträgt gerade einmal 800 Meter.  

Toulon - Seilbahn Mont FaronToulon - Blick auf Oberstadt, Altstadt und Hafen

Toulon - Mont Faron - Blick nach Südwest Toulon - Mont Faron Memorial