Autor: Karl W. P. Beyer

Im äußersten Nordosten Italiens grenzt die autonome Region Friaul-Julisch Venetien an Österreich und Slowenien. Hauptstadt der Region ist die mehr als 200.000 Einwohner zählende Hafenstadt Triest. Im April 2011 widmete ihr die angesehene New York Times einen langen Beitrag und betitelte diesen mit „In einer stillen Ecke Italiens ...“.

Triest - Panorama mit Hafenanlagen

Triest - Panorama mit Hafenanlagen


Nach unserem letzten Besuch in Triest meinen wir jedoch, dass die Überschrift des Artikels keinesfalls der kulturellen, wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und touristischen Rolles Triests gerecht wird. Die norditalienische Großstadt steht für Attribute wie fleißig, strebsam, zielgerichtet, nachdrücklich und erfolgreich.

Triest - Geschäftiges Treiben vor dem Rathaus

Triest - Geschäftiges Treiben vor dem Rathaus


Triest ist Verwaltungszentrum, Bischofssitz sowie Forschungs- und Hochschulstandort. Weltbekannte Unternehmen agieren von Triest aus und geben den Einwohnern der Region Arbeit und Lohn. Und Arbeit schafft Wohlstand. Nach Pressemeldungen des Jahres 2012 wies die Provinz Triest mit 21.479 Euro pro Kopf noch vor Mailand und Bologna die höchste Kaufkraft Italiens aus.

Triest - Universitätsgebäude

Triest - Universitätsgebäude


Die Geschichte der Stadt und der Region

Seit im zweiten Jahrhundert v. Chr. die Region von der damaligen Weltmacht Rom erobert wurde, entwickelte sich der Ort sehr schnell. Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. zählte Triest bereits 12.000 Einwohner. Die damaligen Wahrzeichen der Stadt waren eine Basilika und ein römisches Theater.

Triest - Teatro Romano

Triest - Teatro Romano


Nach dem Zerfall des Römischen Reichs durchlebten die Stadt und die sie umgebende Region Istrien unruhige Zeiten. Sie mussten die aufeinanderfolgende Herrschaft von Ostgoten, Byzantinern und Langobarden erdulden. Relative Ruhe trat erst mit Karl dem Großen ein, nachdem dieser im Jahr 774 die Stadt in die Mark Friaul einbezog.

Nach einer 180-jährigen venezianischen Herrschafts-Epoche stellte sich die Stadt im Jahr 1382 unter den Schutz Österreichs. Habsburgisch-österreichisch blieb Triest danach bis ins Jahr 1918. Die Zugehörigkeit zu Österreich prägte die Anlage der Stadt und das Stadtbild. Zur Republik Italien gehört Triest seit dem Jahr 1918. Für eine kurze Unterbrechung sorgten lediglich die Jahre zwischen 1947 und 1954, als die Region als Freies Territorium Triest unter fremder Verwaltung stand.

Triest - Canal Grande - Von Österreichern geplant

Triest - Canal Grande - Von Österreichern geplant


Triest – kulturelles und wirtschaftliches Zentrum

Lagebedingt entwickelte sich Triest seit der Anlehnung an Österreich zum einzigen Seehafen der Alpennation. Das vormalige venezianische Monopol im Mittelmeerraum zerbrach nicht zuletzt wegen des erfolgreichen Agierens der Stadt. Im 19. Jahrhundert wurde der Hafen ausgebaut, es entstanden führende Unternehmen, darunter Banken, Versicherungen, Werften und Reedereien.

Triest - Der alte Hafen

Triest - Der alte Hafen


Weltbekannte Firmen wie der Kaffeeproduzent illycaffè, der Spirituosenhersteller Stock, der Versicherungskonzern Generali oder der Werftenbetrieb Fincantieri haben ihre Firmensitze oder zumindest Produktionsstandorte in Triest.

Triest - Hauptverwaltung der Fincantieri-Werftengruppe

Triest - Hauptverwaltung der Fincantieri-Werftengruppe


Das Stadtzentrum wirkt sehr repräsentativ. Um 1900 herum entstanden in der Gründerphase bedeutende, noch heute das Stadtbild prägende Bauten. Großzügig dimensionierte Plätze, schöne Brunnenanlagen, eindrucksvolle Kirchenbauten und viele Palazzi bestimmen das Stadtbild. Das alles lässt sich bei einem Start zu einer Kreuzfahrt oder bei einem Zwischenstopp in Triest bequem entdecken.

Triest - Piazza del'Unità d'Italia

Triest - Piazza del'Unità d'Italia


Hafen und Kreuzfahrtdestination Triest

Mit 18 Meter Wassertiefe ist Triest einer von zwei Tiefwasserhäfen des zentralen Mittelmeers. Es ist hinsichtlich seiner Lage der wichtigste Seehafen für Österreich, die osteuropäischen Länder Slowakei und Tschechien sowie den Süden Deutschlands. Im Jahr 2016 wurden 59 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen und 7.631 Güterzüge verließen den Hafen mit Waren zu internationalen Zielen.

Triest gehört von seiner Lage und seinen Angeboten zu den attraktivsten uns bekannten Kreuzfahrtdestinationen im Mittelmeerraum. Es ist schwer verständlich, dass trotzdem nur wenige Kreuzfahrtschiffe an Triests Molo Bersaglieri festmachen. - Im Jahr 2016 waren es nach den vorliegenden Statistiken gerade einmal 34 Schiffe. Die meisten dieser Anläufe gingen auf das Konto der 294 Meter langen Costa Luminosa, die im vergangenen Jahr Triest regelmäßig auf Wochentouren im Mittelmeer besuchte. Auch im Jahr 2017 wird das Schiff wieder regelmäßig in Triest Flagge zeigen. Nach Angaben der Hafenbetriebsgesellschaft sind für 2017 immerhin schon 56 Anläufe von Kreuzfahrtschiffen vorgesehen.

Triest ist unbedingt eine Reise wert. Was es in der Stadt zu erleben und erfahren gibt, lesen Sie unter Triest – Sehenswertes

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