Autor: Karl W. P. Beyer

Tromsø ist an Einwohnerzahl und Fläche die größte Stadt Nordnorwegens. Mehr als 75.000 Einwohner leben auf 2.566 Quadratkilometern. Die Ausdehnung entspricht nahezu den Dimensionen des Saarlandes.

Die Stadt liegt nördlich des Polarkreises. Tromsø und das Nordkap trennen nur noch 300 Kilometer Luftlinie; gerade einmal zwei Breitengrade. Das Stadtzentrum wurde auf der Insel Tromsoy errichtet. Die einen Kilometer lange und 43 Meter hohe Bruvegen-Brücke verbindet die Insel mit den auf dem Festland liegenden weiteren Stadtteilen.

Bruvegen Brücke

Bruvegen Brücke


Tromsøs Beinamen

Tromsøs Beinamen lauten: „Paris des Nordens“ und „Tor zum Eismeer“. Während das Erste wenig verständlich und unbegründet scheint, passt das Zweite umso mehr. Von Tromsø starteten Polarforscher zu ihren Expeditionen. Im Stadtzentrum erinnert beispielsweise ein Standbild an den Entdecker und Polarforscher Roald Amundsen.

Roald Amundsen Monument

Roald Amundsen Monument


Tromsøs Ursprünge weisen weit zurück

Archäologische Funde belegen, dass Teile der Region bereits vor etwa 11.000 Jahren besiedelt waren. Allerdings verloren sich die Spuren der ersten Bewohner wieder. Fest steht jedoch: Seit mindestens 3.000 Jahren ist in der Gegend die Geschichte der Samen nachweisbar.

Obwohl die Stadt offiziell erst im Jahr 1794 gegründet wurde, gab es am heutigen Standort bereits im 13. Jahrhundert ein Gemeinwesen. Der Beleg: Die allererste bekannte Kirche des Landstrichs lässt sich auf das Jahr 1252 zurückführen.

Tromsøs Highlights

Mehrere Superlative darf Tromsø für sich beanspruchen: Die Stadt besitzt weltweit die am Weitesten nördlich gelegene Universität, die nördlichste Brauerei Europas sowie die beiden nördlichsten Bischofskirchen. Eine weitere Besonderheit: In der multikulturellen Stadt leben über 100 Nationalitäten.

Die evangelisch-lutherische Domkirche

Die evangelisch-lutherische Domkirche


Tromsø, Universitäts- und Wissenschaftsstandort

Noch Mitte des 19. Jahrhunderts war die Stadt das Zentrum des Eismeerfischfangs. Und zu Beginn des 20. Jahrhunderts starteten von Tromsø aus Arktis- und Antarktis-Expeditionen. In der Gegenwart steht Tromsø vor allem für Forschung, Lehre, Verwaltung, Fischindustrie und Satellitentechnologie.

Wissenschaftliche Schwergewichte sind die Arktische Universität (UiT), die Norwegische Fischereihochschule und das Klima- und Umweltforschungszentrum Framsenteret. An den neun Fakultäten der Universität studieren circa 15.500 Studenten. Das mit der Universität kooperierende Universitätsklinikum „UNN“ ist eine Regionen übergreifende Einrichtung. Mit circa 4.500 Beschäftigten ist es der bedeutendste Arbeitgeber der gesamten Region.

Eine Sonderstellung nimmt der Arktische Rat ein. Er ist ein zwischenstaatliches Forum, das seinen ständigen Sitz in Tromsø hat. Der Rat dient dem Interessenausgleich zwischen den arktischen Anrainerstaaten und den indigenen Völkern.

Tromsø – Touristisches Zentrum

Die Stadt liegt inmitten einer reizvollen Inselwelt. Städtebauliche Akzente gibt es dagegen nur wenige. Tromsø ist ein Gemisch unterschiedlicher Baustile. Zwar blieb der Stadt im Zweiten Weltkrieg die Zerstörung erspart, doch gingen während eines Großfeuers in den 1960er-Jahren viele historische Bauten im Zentrum verloren. Am Beispiel der Fußgängerzone Storgata lassen die aus vergangener Zeit verbliebenen Bauten erahnen, wie beschaulich es früher im Zentrum ausgesehen haben mag.

Die Storgata

Die Storgata


Tromsø ist eine betriebsame, junge Stadt. Ihr Merkmal sind die vielen Hotels, Restaurants und die lebendige Nachtszene. Vor allem während der Mitternachtssonne, sie scheint zwischen dem 20. Mai und dem 20. Juli, werden Tromsøs Nächte als recht kurzweilig geschildert. Ganz nebenbei: Das Gegenstück, die Polarnacht, dauert vom 22. November bis zum 20. Januar. In dieser Zeit geht die Sonne nicht auf! Eisschichten überziehen die Straßen und der Schnee türmt sich am Straßenrand meterhoch.

Tromsø – ein Ziel der Kreuzfahrtschiffe

Neben den Schiffen der Hurtigruten laufen das Jahr über etwa 70 Kreuzfahrtschiffe Tromsø an. Die Besuche finden hauptsächlich in den Sommermonaten statt. Allerdings sind auch Anläufe in der Winterzeit zu verzeichnen. Diese stehen in Zusammenhang mit den Polarlichtern.

Der Breivika Kai

Der Breivika Kai


Große Kreuzfahrtschiffe legen vier Kilometer vom Stadtzentrum entfernt am Kai 23, dem Breivika Dock an. Er wirkt nicht besonders einladend. Kleinere Kreuzfahrtschiffe und Schiffe der Hurtiguten docken im Stadtzentrum am Prostneset Kai. Von beiden Liegeplätzen sind die Haltestellen der Busse leicht zu erreichen. Auf organisierte Touren vor Ort darf verzichtet werden. Tromsø bietet den Tagesbesuchern für deren Exkursionen gute Verkehrsmittel.

Tromsøs Sehenswürdigkeiten

Die meisten der Sehenswürdigkeiten Tromsøs nehmen Bezug auf die subpolare Lage der Stadt und stehen in engem Zusammenhang mit der umgebenden Natur.

Der arktisch-alpine Botanische Garten

Tausende von Pflanzenarten aus aller Welt werden in den zur Tromsø-Universität gehörenden Themengärten gezüchtet. In die Gärten kommen nur Pflanzen, die aus Polargebieten oder dem Hochgebirge stammen.

Blick auf den arktisch-alpinen Botanischen Garten

Blick auf den arktisch-alpinen Botanischen Garten


Es gibt Pflanzen aus dem Himalaya, kleinwüchsige Rhododendren und eine Arktis-Landschaft. Pflanzen aus den Rocky Mountains leben neben russischen Zierpflanzen. Eine Teichlandschaft wurde geschaffen und auch Pflanzen von der Südspitze Amerikas hat es nach Tromsø verschlagen.

Der Garten liegt gegenüber dem Breivika-Kai. Es ist nur die Hauptstraße zu überqueren.
Eintritt in den Garten wird nicht verlangt.

Wichtige Kirchenbauten 

Die Tromsø Domkirke

Die mächtige neugotische Holzkirche im Stadtzentrum ist die evangelisch-lutherische Bischofskirche des Bistums Nord-Hålogaland. Der nördlichste protestantische Dom der Welt und bietet 800 Menschen Platz. Vollendet wurde der Bau im Jahr 1861. Die Orgel wurde erst zwei Jahre später fertiggestellt. Sie wird als eine der historisch wertvollsten Kirchenorgeln Skandinaviens bezeichnet. Ein mittelalterlicher Friedhof grenzt an die Kirche.

Die evangelisch-lutherische Domkirche

Die evangelisch-lutherische Domkirche


Im Jahr 2018 wegen Renovierungsarbeiten geschlossen.

Die Eismeerkathedrale

Der Name täuscht: Die Eismeerkathedrale ist keine Bischofskirche. Sie ist eine evangelisch-lutherische Pfarrkirche im Stadtteil Tromsdalen. Dieser Stadtteil liegt auf der anderen Seite der Bruvegen-Brücke, dem Zentrum gegenüber. Die Kirche gilt als markanteste moderne Kirche Norwegens. Geweiht wurde sie im Dezember 1965.

Die Eismeerkathedrale

Die Eismeerkathedrale


Das Besondere der Kirche ist ihre Form. Die Dachschrägen reichen bis auf den Boden und bilden die Außenwände der Kirche. Die Architektur will an die Gewalt aufgeschichteter Packeisplatten erinnern. Während die Westfront der Eismeerkathedrale aus farblosem Glas besteht, besitzt die Chorseite ein schönes Glasmosaikfenster. Es zählt zu den größten Europas.

Eismeerkathedrale Eismeerkathedrale - Eingangsbereich Eismeerkathedrale - Kirchenschiff mit dem Mosaikglasfenster Eismeerkathedrale - Orgel

 

Circa 30 Minuten Fußweg vom Zentrum über die stark befahrene Bruvegen-Brücke oder mit den Buslinien 20, 24 und 26. Tagestickets für Tromsøs Busse werden am Hafenausgang verkauft.
Öffnungszeiten der Kirche: 01.06 bis 15.08: zwischen 09:00 bis 19:00 Uhr; an Sonntagen ab 13:00 Uhr.
Ticketpreis: 50 NOK Erwachsene (ca. 5,20 Euro)

Die Vår Frue Domkirke

Die römisch-katholische Liebfrauen-Domkirche ist der kleinste uns bekannte katholische Dom. Die Kirche ist Sitz der nördlichsten katholischen Diözese der Welt. Die Holzkirche ist im neugotischen Stil angelegt. Das Kirchenschiff bietet Platz für 150 Gläubige. Das Kircheninnere ist einfach und in hellen Farben gehalten.

Die katholische Kathedrale Die katholische Kathedrale - Kirchenschiff

 

Ausstellungen und Museen

Das Erlebniszentrum Polaria

Polaria ist nach eigenem Bekunden Norwegens „nationales Schaufenster für Polarkenntnisse“. Der Bau wurde auf Initiative des norwegischen Umweltschutzministeriums errichtet. Die eindrucksvolle Architektur symbolisiert an Land geschobene Eisschollen.

Erlebniszentrum Polaria

Erlebniszentrum Polaria


Das Polaria bietet ein Panoramakino, mehrere Aquarien und Ausstellungen über die polaren Regionen einschließlich der Barentssee. Angeschlossen ist ein arktisches Aquarium mit zwei Bartrobben und zwei Seehunden. Die Tiere können beim Schwimmen oder bei der Fütterung beobachtet werden. Packend sind die im Panoramakino auf einer 180-Grad-Leinwand gezeigten Filme. Sie beschreiben die arktische Wildnis Spitzbergens und die phänomenalen Nordlichter.

Robbenfütterung im Erlebniszentrum Polaria

Robbenfütterung im Erlebniszentrum Polaria


Öffnungszeiten Sommer: 10:00 bis 19:00 Uhr
Fütterungszeiten der Robben: 12:30 und 15:00 Uhr
Ticketpreis: Erwachsene 130 NOK (ca. 13,60 Euro)

Das Robbenfangschiff MS Polstjerna/Polarstern

Die „Polarstern“ war ein für die Robbenjagd gebautes Schiff. Im Verlauf von 33 Jagdsaisons erlegten die Männer der Polarstern fast 100.000 Robben. Das Schiff liegt in einem Glasbau mit Panoramablick neben dem Erlebniszentrum Polaria. Im Gelände wird zudem die Ausstellung „Snowhow“ präsentiert.

MS Polstjerna

MS Polstjerna


Öffnungszeiten Sommer: 11:00 bis 17:00 Uhr
Ticketpreis: Erwachsene 40 NOK (ca. 4,20 Euro)

Das Tromsø Kunstforening

Das Zentrum für Gegenwartskunst liegt in einer kleinen Grünanlage, nur wenige Schritte vom Polaria entfernt.

Tromsø Kunstforening

Tromsø Kunstforening


Öffnungszeiten Sommer: Donnerstag bis Sonntag zwischen 14:00 und 17:00 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Denkmäler

Das Roald Amundsen Memorial

Dem Polarforscher wurde in Tromsø ein Standbild gesetzt. Amundsen gilt als der erfolgreichste Entdeckungsreisende in Arktis und Antarktis.

Standort: Roald Amundsens Plass; zwischen der Domkirke und der Wasserlinie

Das Fischerdenkmal/Fangstmonument

Das an den ursprünglichen Haupterwerb der Bevölkerung erinnernde Denkmal steht auf dem zentralen Marktplatz. Es ist den auf See gebliebenen Fischern und Jägern gewidmet.

Das Fangstmonument Das Fangstmonument


Die König Haakon-Statue

Das vor dem alten Rathaus errichtete Denkmal erinnert an den unbeugsamen König Haakon VII., der im Zweiten Weltkrieg nicht mit den deutschen Besatzern kooperierte. Im Jahr 1940 regierte er das Land für zwei Monate von Tromsø aus, bevor er nach England evakuiert wurde.

Der Musikpavillon mit der König Haakon-Statue

Der Musikpavillon mit der König Haakon-Statue

Bauten im Stadtzentrum

Ein Blickfang ist das alte Rathaus von Tromsø mit dem davor aufgebauten Musikpavillon. Heute dient es als Standort eines Theaterprojekts. Moderne Architektur bieten das neue Rathaus, die Bibliothek und das Kulturhuset. Letzteres ist ein vielseitig genutztes Veranstaltungszentrum.

Das neue Rathaus Die Bibliothek

 

Die Seilbahn auf den Storsteinen

Nur vier Minuten dauert die Fahrt mit der Seilbahn auf den Storsteinen. Die Aussichtsplattform Fjellstua liegt 421 Meter hoch. Die Besucher blicken auf Tromsø, die umgebende Inselwelt, die Fjorde und das weite Meer. Ein Blick in die entgegengesetzte Richtung zeigt den Tromsdalstinden, ein 1.238 Meter hohes Bergmassiv. Neben der Aussichtsterrasse ist ein Restaurant vorhanden.

Der Storsteinen

Der Storsteinen


Seilbahnstation: Solliveien 12 im Stadtteil Tromsdalen
Ticketpreis 2018: Erwachsene 210 NOK (ca. 22,00 Euro)
Die Buslinie 26 fährt zur Seilbahn.

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