Autor: Karl W. P. Beyer

Liebe Leserin, lieber Leser, Sie starten oder beenden eine Alaska-Kreuzfahrt im kanadischen Vancouver. Wäre es in Anbetracht der 8.000 Kilometer Wegstrecke zwischen Deutschland und Vancouver nicht schön, noch ein paar zusätzliche Tage in der Stadt zu verbringen, um sie besser kennenzulernen? Im Folgenden möchten wir Ihnen eine Tagestour vorstellen, die wir im September 2017 getestet haben.

Kreuzfahrtschiffe am Kreuzfahrtterminal von Vancouver

Kreuzfahrtschiffe am Kreuzfahrtterminal von Vancouver


Wir berichten dieses Mal über den Stanley Park, Vancouvers und Kanadas größten Stadtpark, außerdem besuchen wir North Vancouver und die im Westen der Stadt gelegene English Bay. Ende September sind Vancouvers Temperaturen sehr angenehm und auch die Sonne zeigt sich regelmäßig; beste Voraussetzungen, um die empfohlenen Stationen zu sehen.

 

North Vancouver mit dem SeaBus besuchen

Wir beginnen unsere Tour mit einem Umweg. Der SeaBus, die geräumige und schnelle Personenfähre, befördert uns in zwölf Minuten vom Kreuzfahrt-Terminal Canada Place zum Lonsdale Quay im Stadtteil North Vancouver. Das Schiff quert dabei das Burrard Inlet.

Vancouvers Skyline mit SeaBus

Vancouvers Skyline mit SeaBus


Am Lonsdale Quay erwarten uns in der Quayside Plaza einige Ladengeschäfte, Restaurants, Imbissläden sowie zwei Aussichtsplattformen. Die bieten einen herrlichen Blick auf Downtown Vancouver und die dort versammelten Kreuzfahrtschiffe sowie die weiter entfernt liegende Ironworkers Memorial Bridge. Die an der zweiten Engstelle der Bucht platzierte Stahlbrücke ist eine der bekanntesten Vancouvers.

Vancouvers Skyline und Schiffe am Kreuzfahrtterminal North Vancouver - Quayside Plaza Brunnenanlage am Lonsdale Quay Vancouvers Hafen mit der Ironworkers Memorial Bridge

 

Lonsdale Quay liegt an einer Marina. Dahinter ragen die Hochhäuser des Vororts auf, und im Osten hinter den Häusern erstreckt sich der Gebirgszug der North Shore Mountains mit dem Skigebiet Grouse Mountain und dem Mount Seymour.

Blick vom Lonsdale Quay/North Vancouver

Blick vom Lonsdale Quay/North Vancouver


Vom unterirdischen Busbahnhof der Kaianlage führen verschiedene Buslinien über den Landweg zurück nach Vancouver. Wir nehmen den 242er-Bus. An Tagen wie diesem rentiert sich der preisgünstige, 10 CAD kostende Day Pass des regionalen Verkehrsunternehmens Translink.

Auf seiner Fahrt passiert der Bus ausgedehnte Einfamilienhaus-Wohngebiete. An den Laternenmasten hängen Warnhinweise vor herumstreunenden Schwarzbären. Unglaublich: in den Vororten einer 630.000 Einwohner zählenden Großstadt wird vor Schwarzbären gewarnt!

 

Lions Gate Bridge

Der Bus passiert die Lions Gate Hängebrücke und folgt dem vierspurigen, durch den Stanley Park hindurchführenden Highway 99. Wie zu lesen ist, wurden die Baukosten der Brücke von der Brauerfamilie Guinness vorfinanziert. Dies geschah allerdings nicht aus reinem Altruismus, sondern um ein den Brauern gehörendes 16 Quadratkilometer großes Grundstück im Westen Vancouvers erschließen zu können. Übrigens, die Kreuzfahrtschiffe fahren beim Ein- oder Auslaufen unter der Brücke her.

Lions Gate Bridge

Lions Gate Bridge


Um in den Stanley Park zu wechseln, verlässt man den Bus am Devonian Harbour Park. Von dort sind es nur wenige Hundert Schritte bis zu dem 405 Hektar großen Landschaftspark. Eintritt wird nicht erhoben.

 

Der Stanley Park und was es dort zu sehen gibt

Vor der Entdeckung und Erforschung der Region bewohnten ursprünglich indigene Völker, Kanadas „First Nations“, die in den Vancouver Harbour und die English Bay hineinragende Landzunge. Nach dem Rückzug der First Nations war das heutige Areal anfänglich einer planlosen kommerziellen Nutzung unterworfen. Doch schon im Jahr 1886 wurde die Einrichtung eines Landschaftsparks beschlossen.

Dessen heutiges Erscheinungsbild ist nicht das Werk von Landschaftsarchitekten. Vielmehr wurde in die Natur nur wenig eingegriffen. Das erklärt, dass immer noch Teile des Parks von dichtem Wald mit über 70 Meter hohen und jahrhundertealten Bäumen bewachsen sind.

Der Stanley Park Seawall Path, ein Wanderweg oberhalb des Wassers, umgibt die Halbinsel. Außerdem durchschneiden viele Wege das Gelände. Die Landkarten weisen sogar zwei Strandabschnitte aus. Man muss in Vancouver wohnen, um die vielfältigen Angebote des Parks zu nutzen.

Stanley Park Seawall Path am Brockton Point Leuchtturm

Stanley Park Seawall Path am Brockton Point Leuchtturm


Tagesbesucher entscheiden sich je nach Interessenlage für bestimmte Attraktionen. Dazu zählen wir:

  • Die sehenswerten Totem-Pfähle der kanadischen First Nations,
  • Das Naval Museum at H.M.C.S. Discovery,
  • Die aktive Nine O’Clock Gun,
  • Das Brockton Point Lighthouse.

Unter Vancouver – Sehenswertes haben wir die Glanzlichter des Parks vorgestellt.

Totempfähle im Stanley Park Bootshäuser des Naval Museum Nine O'Clock Gun Brockton Point Lighthouse

 

Weitere sehenswerte Stationen des Stanley Parks:

  • Der Lumberman‘s Arch,
  • Das Vancouver Aquarium (die von einer Non-Profit-Organisation betriebene Einrichtung ist zugleich eine meeresbiologische Forschungsstation),
  • Der etwa 18 Meter hohe Siwash Rock,
  • Der Prospect Point Lookout.

Lumbermen's Arch Siwash Rock Prospect Point Lookout

 

Eine Kuriosität ist die auf einem Felsen im Wasser platzierte Skulptur „Girl in a Wetsuit“. Sie gleicht im Großen und Ganzen der Kopenhagener Meerjungfrau. Ihr Schöpfer betont, er hätte die „Kleine Meerjungfrau“ nie zuvor gesehen. Die junge Dame im Neoprenanzug sei kein Plagiat.

Girl in a Wetsuit

Girl in a Wetsuit


Zum Angebot der Parkverwaltung zählen auch beschauliche Rundfahrten in von Pferdegespannen gezogenen Kutschwagen. Im Sommer, an Ostern, über Halloween und zu Weihnachten verkehrt auf zwei Kilometer Strecke eine Miniatureisenbahn. Überall in Vancouver können Fahrräder gemietet werden; Fahrräder sind auf den asphaltierten Straßen des Parks ebenfalls gestattet. Und selbstverständlich gibt es im Park auch genug zu essen.

Pferdekutsche im Stanley Park

Pferdekutsche im Stanley Park


Wer Bequemlichkeit vorzieht, verlässt den Park mit der Buslinie 019. Eingestiegen wird am Stanley Park Loop.

Stanley Park Loop

Stanley Park Loop


Die English Bay

Den Strandabschnitt English Bay halten wir für einen der schönsten Sandstrände Vancouvers. Der etwa 300 Meter lange Strandabschnitt liegt im Stadtteil West End zwischen der Morton Avenue und der Bidwell Street. Uns lädt der kühle Pazifik nicht zum Baden ein. Zum Sonnen und Ausruhen taugt English Bay allerdings schon, und nahegelegene Cactus Club Café bietet nette Innen- und Außensitzplätze.

Strandabschnitt English Bay

Strandabschnitt English Bay


Die English Bay wird von Touristen wohl kaum des Cafés wegen besucht. Publikumsmagneten sind der Skulpturenpark A-maze-ing Laughter und das Inukshuk Monument.

Parkanlage an der English Bay

Parkanlage an der English Bay


A-maze-ing Laughter

Das „verblüffende, phantastische Gelächter“ zeigt 14 übermannsgroße Bronzestatuen fröhlicher Männer mit asiatischen Gesichtszügen. Ein chinesischer Künstler hat sich die Lachenden einfallen lassen.

A-Maze-ing Laughter

A-Maze-ing Laughter


Inukshuk Monument

Das aus grauen Granitsteinen zusammengefügte Denkmal greift auf die Traditionen der Inuits im Norden Kanadas zurück. Das Naturvolk errichtete solche Wegmarken, um Fremden und Seefahrern Orientierungshilfe zu gewähren. Den im Vancouver-Gebiet siedelnden First Nations waren derartige Symbole allerdings fremd. Die kanadische Bezirksregierung der nordwestlichen Territorien hatte das Kunstwerk für ihren Pavillon auf der Weltausstellung Expo 86 in Auftrag gegeben. Im darauffolgenden Jahr wurde es in Vancouvers Obhut gegeben und an seinen heutigen Standort aufgestellt.

Inukshuk Memorial an der English Bay

Inukshuk Memorial an der English Bay


Von der Höhe des Inukshuk Monuments ist die im Jahr 1932 eröffnete Burrard Street Bridge sehr gut zu sehen. Die mehr als 800 Meter lange Fachwerkbrücke queren täglich mehr als 50.000 Fahrzeuge und unzählige Radfahrer und Fußgänger.

Burrard Street Bridge

Burrard Street Bridge


Am Folgetag beginnen wir unsere Alaska-Kreuzfahrt mit der Norwegian Sun. Vancouver als Einschiffungshafen werden wir für immer positiv in Erinnerung behalten.