Autor: Karl W. P. Beyer

Im kanadischen Vancouver docken die Kreuzfahrtschiffe zur Freude und zum Nutzen der Passagiere zentrumsnah im Stadtteil Downtown. Das Terrain ist ein idealer Ausgangspunkt für Exkursionen innerhalb und außerhalb Vancouvers. Unter Vancouver Sehenswertes haben wir verschiedene attraktive Tagesziele benannt.

Canada Place Cruise Ship Terminal

Canada Place Cruise Ship Terminal


Zu den sehenswerten innerstädtischen Zielen gehören nach unserer Erfahrung die Stadtteile Gastown und Granville Island. Für uns sind beide ein touristisches Muss. 

Gastown – Vancouvers historisches Zentrum

Historische Gebäude, wie von Florenz, Rom oder Rothenburg ob der Tauber gewohnt, sollte niemand erwarten. Schließlich wurde die damals menschenleere Region British Columbia erst im Jahr 1792 von dem britischen Kapitän George Vancouver erforscht.

An Vancouvers heutigem Standort entstand eine erste, Gastown genannte Ansiedlung in den 1860er-Jahren. Die Gemeinde erhielt im Jahr 1886 die Stadtrechte verliehen. Der Ortsname Gastown war in diesem Zusammenhang nicht mehr angebracht. Die neue Stadt hieß von da an City of Vancouver, zu Ehren George Vancouvers, des Erforschers der Region. Gastown war die Keimzelle der heute mehr als 630.000 Einwohner zählenden Großstadt im südwestlichen Terrain Kanadas.Gastown - Vom Vancouver Lookout gesehen

Gastown - Vom Vancouver Lookout gesehen


Bedauerlicherweise fiel die Siedlung noch im selben Jahr einem verheerenden Feuer zum Opfer. Die Stadt musste danach neu erbaut werden. Das erklärt den vorherrschenden, einheitlich wirkenden Baustil.

Die Distanz zwischen dem Canada Place-Kreuzfahrtterminal und dem Szeneviertel Gastown beträgt etwa einen Kilometer. Wir starten am Canada Place, an unserem Weg liegen einige architektonisch interessante Bauten:

Ausgangspunkt Canada Place

Ausgangspunkt Canada Place


Zum Einen das 122 Meter hohe Woodward’s Building. Das im Jahr 2009 fertiggestellte Hochhaus bietet Wohn- und Geschäftsräume. Auch die SFU School for Contemporary Arts, hat dort ihren Standort. Uns gefällt das Gebäude vor allem wegen der auf der Dachebene stehenden Bäume.

Woodward's Building Bäume auf dem Woodward's Building Sun Tower Sun Tower

 

Der 82 Meter hohe Sun Tower spricht uns ebenfalls an. Sein Markenzeichen ist eine grüne Kuppel. Das klassisch aussehende Hochhaus wurde im Beaux-Art-Stil errichtet. Dem Gesims verleihen neun Musen dem Anschein nach Stabilität. Benannt wurde der Tower nach der Tageszeitung Vancouver Sun.

Sehenswert wäre auch der Victory Square. Im Zentrum der mehr als vier Hektar großen Parkanlage steht Vancouvers Denkmal für die Kriegstoten des Ersten Weltkriegs. Es ist ein markanter, über neun Meter hoher Granitpfeiler. Am 11. November eines jeden Jahres wird am Remembrance Day - dem kanadischen Volkstrauertag - der mehr als 60.000 im Ersten Weltkrieg gefallenen Kanadier gedacht. Leider ist das Areal außerhalb dieser Zeit No-Go-Area für Touristen, weil fest in der Hand der Drogenszene und Obdachlosen.

Victory Square Park

Victory Square Park


Uns erstaunt es ohnehin, dass wir beispielsweise in der Granville Street, einer der Verkehrsadern der Stadt, viele Obdachlose campieren sehen. Vancouvers Einwohner erklären uns das mit dem milden Klima der Stadt. In Vancouver gibt es normalerweise keine richtig kalten Winter. Das sei für Kanadas Obdachlose Anlass genug, um nach Vancouver zu ziehen, Sozialhilfe zu beziehen und auf der Straße zu leben.

Water Street im Stadtteil Gastown

Water Street im Stadtteil Gastown


Zurück zu Gastown: Der Stadtteil ist in jedem Fall einen Besuch wert. Empfehlenswert ist ein Gang durch die Water Street. Die Gebäude dieser Hauptstraße beherbergen interessante Bars, Restaurants, Galerien und Läden unterschiedlicher Art. Seitenstraßen geben immer wieder den Blick auf die Wasserfläche des Burrard Inlet frei.

Schuhgeschäft in der Water Street

Schuhgeschäft in der Water Street


Es heißt, der Besucher solle zwei Wahrzeichen Gastowns ansehen: Daran halten wir uns. Es sind die Steam Clock, eine Dampfuhr, und die Statue des Stadtgründers „Gassy Jack“.

Nur sieben Dampfuhren soll es weltweit geben. Was in Vancouver wie ein Überbleibsel des Viktorianischen Zeitalters aussieht, entstand erst im Jahr 1977 aus einer gedeihlichen Zusammenarbeit des Uhrenfachmanns Raymond Saunders und des Metallbauers Doug Smith. Zum besseren Verständnis: Die Uhr wird elektrisch angetrieben. Mit Dampfkraft werden lediglich die Viertelstunden- und Stundenschläge angezeigt. Die Uhr steht an der Kreuzung Water/Cambie Street. Sie ist nicht zu verfehlen.

Die Gastown Steam Clock Die Gastown Steam Clock Mechanik der Gastown Steam Clock

 

Ein gewisser John Deighton fuhr regelmäßig als Dampfschiffkapitän an Kanadas Westküste entlang. Im heutigen Vancouver ließ er am Burrard Inlet von Sägewerksarbeitern eine Bar errichten. Entlohnt wurden die Arbeiter mit so viel Whisky, wie sie trinken konnten. Der Spitzname des Barbesitzers war „Gassy Jack“, wovon folgerichtig „Gastown“ abgeleitet wurde. Wir finden, ein Stadtgründer hat Anspruch auf ein Denkmal. Das von Gassy Jack, der Mann steht stilvoll auf einem Whiskyfass, steht am Maple Tree Square. Dort soll er seine Bar errichtet haben. Nebenbei gesagt, der „geschwätzige Jakob“ wurde nur 45 Jahre alt.

Gassy Jack - Standesgemäß auf dem Whiskyfass stehend

Gassy Jack - Standesgemäß auf dem Whiskyfass stehend


Hat man das Denkmal gesehen wird es spätestens Zeit für einen Bar- oder Café-Besuch.

Schöpferische Pause an Gastowns Maple Tree Square

Schöpferische Pause an Gastowns Maple Tree Square


Wir müssen uns stärken, denn wir wollen noch über die zweite Station unserer kleinen Vancouver-Exkursion berichten. Und das ist … 

Granville Island

Im Schatten der achtspurigen Granville Bridge liegt in der False Creek Bucht die künstliche Halbinsel Granville Island. Bis in die 1970er-Jahre war das Areal ein öder Industriestandort. Nach Aufgabe der gewerblichen Nutzung, überlebt hat nur ein Zementwerk, erfuhr Granville Island eine anderweitige Verwendung.

Zufahrt zu Granville Island

Zufahrt zu Granville Island


Die Gegend mutierte zum Kultur- und Geschäftsviertel. Wesentliche Ansiedlungen sind heute eine große Marina, die Emily Carr University of Art and Design, mehrere Theater, der Granville Island Public Market und ein Museum für Modelleisenbahnen. Außerdem ist die Halbinsel Standort diverser Kunsthandwerksbetriebe.

Die Granville Island Marina Der Granville Island Public Market Der Granville Island Public Market

 

Unser Besuch auf Granville Island ist begleitet von dem einzigen Regentief das wir während unseres Aufenthalts in Vancouver erwischen konnten. Insofern nehmen wir nicht allzu viel von den Reizen der Halbinsel wahr. Auch die Tageszeit passt nicht so recht. Der späte Nachmittag oder der Abend wäre empfehlenswerter gewesen. Dann zieht es mehr Menschen an.

Sehr gut gefällt uns vom ersten Moment an der Granville Island Public Market. Er bietet abwechslungsreiche Läden und Schnellrestaurants. Nette Menschen bedienen uns, und alles läuft im Markt sehr unkompliziert ab. Der Market bietet im Übrigen einen vorzüglichen Blick auf die 1932 eröffnete Burrard-Street-Bridge. Die mehr als 800 Meter lange Fachwerkbrücke verbindet Vancouvers Kitsilano und West-End.

Granville Island ist neben Gastown aus unserer Sicht ebenfalls eine empfehlenswerte Adresse.

Eingang zum Granville Island Public Market Café im Granville Island Public Market Burrard Street Bridge

 

Granville Island erreicht man von Vancouver Downtown kommend auf zweierlei Weise. Mit dem Auto über die Granville Bridge oder mit kleinen zwischen der Halbinsel und dem Fähranleger Hornby Street verkehrenden Booten. Zu Fuß über die Granville Bridge zu gehen bietet zwar vorzügliche Ausblicke auf den False Creek, wegen des höllischen Verkehrs ist das aber wirklich nicht zu empfehlen. Wir haben beide Optionen getestet und raten zur Fähre.

Fähre über den False Creek

Fähre über den False Creek