Autor: Karl W. P. Beyer

Padua eine Großstadt wie jede andereNur annähernd dreißig Kilometer Wegstrecke, der Omnibus benötigt dafür gerade einmal 45 Minuten, trennen Venedig und Padua. Wäre es nicht angezeigt, die in der Poebene liegende Großstadt Padua zu besuchen, wenn man sich am Glanze Venedigs sattgesehen hat? Wir besuchten Padua im Mai 2013 nach einer in Venedig endenden Kreuzfahrt mit der Celebrity Silhouette. Zwischen der Ankunft am Cruise Terminal und dem Rückflug nach Deutschland lagen mehr als acht Stunden Zeit. Wir nutzten das Angebot der Reederei für einen Flughafentransfer mit vorherigem Besuch in Padua.

Wissenswertes zu Padua

Das etwa 210.000 Einwohner zählende Padua gehört zu Italiens ältesten Städten. Historische Quellen belegen, dass im vierten Jahrhundert v. Chr. auf dem Gebiet des heutigen Padua ein Fischerdorf entstand. Aus ihm entwickelte sich eine der bedeutendsten und wohlhabendsten Kommunen des Römischen Reiches. Bereits im Jahr 1222 wurde in Padua die dritte Universität Italiens eingerichtet. Mehrere Jahrhunderte stand es unter venezianischer Herrschaft. Die endete, als im Jahr 1797 französische Truppen Padua einnahmen. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die im Krieg mehrmals von alliierten Bombern angegriffene Stadt rasch wieder aufgebaut. Sie gehört heute zu den wohlhabendsten und geschäftigsten Regionen Norditaliens.


Eine Stippvisite – Die wesentlichen Sehenswürdigkeiten Paduas

Prato della ValleWir starteten an der Piazza Prato della Valle, einem der größten innerstädtischen Plätze Europas. Nur der Rote Platz in Moskau und der Place de la Concorde in Paris fallen noch größer aus. Der elliptisch geformte Platz entstand im Jahr 1775 aus Sumpfland, dem „Prato“. An der Stelle stand einst eine römische Arena. Ihre Reste wurden im 16. Jahrhundert für den Bau der nahe gelegenen Basilica di Santa Giustina verwendet. Ein Kanal und 78 steinerne Figuren umschließen den Platz. Die Skulpturen wurden wichtigen Bürgern der Stadt gewidmet.

Prato della Valle Fontäne im Prato della Valle   

In Sichtweite des Platzes liegt südlich die mächtige Basilica di Santa Giustina. Sie ist Justina von Padua gewidmet. Der Sage nach fand diese im Jahr 304 als Sechzehnjährige ihres Glaubens wegen den Tod. Im 5. Jahrhundert wurde am heutigen Standort das erste der Märtyrerin zugedachte Gotteshaus erbaut. Dieses und eine romanische Nachfolgerkirche mussten im 16. Jahrhundert der im Renaissancestil neu erbauten Basilika weichen. Mit 122 m Länge ist sie eine der größten Kirchen der Welt. Acht Kuppeln krönen das Bauwerk.

Basilica Santa Giustina

Basilica Santa Giustina


Piazza del SantoVom Prato della Valle gelangt man zur Piazza del Santo. An ihr steht die Wallfahrtskirche Basilica del Santo. Das dem hl. Antonius geweihte Gotteshaus ist eines von weltweit acht internationalen Heiligtümern. Allein Päpsten ist es vorbehalten eine Kirche derart auszuzeichnen. Sie untersteht direkt dem Heiligen Stuhl in Rom. Am 13. Juni jeden Jahres, dem Tag des hl. Antonius, treffen dort Hunderttausende Christen aus aller Welt ein.

Basilka des Hl. Antonius

Basilka des Hl. Antonius


Basilika mit Minaretttürmchen und EngelDie dreischiffige Kirche fällt mit 118 m Länge etwas kleiner als die Basilika di Santa Giustina aus. Die Ziegel-Fassade der Kirche misst 37 m in der Höhe und 28 m in der Breite. Auffällig sind ihre acht Kuppeln, die beiden sechseckigen, 68 m hohen Kirchtürme und die zwei im byzantinischen Stil errichteten Türmchen in Minarettform. Über einer Kuppel schwebt in 72 m Höhe ein Engel. Für den erst im Jahr 1895 geschaffenen Hochaltar sollte viel Zeit mitgebracht werden. Er ist mit christlicher Symbolik schier überladen. Grabmäler und Seitenkapellen vervollständigen das Interieur.

Zur Kirche gehören vier Kreuzgänge. Der Kreuzgang der Magnolie, der Baum wurde vor mehr als 200 Jahren gepflanzt, und der Kreuzgang des Generals gefielen uns besonders.

Magnolien Kreuzgang Kreuzgang des Generals

Den Platz vor der Kathedrale dominiert das Reiterstandbild des Condottiere Gattamelata. Der Söldnerführer wurde in der Sakramentskapelle begraben. Die Skulptur ist das erste seit der Römerzeit in Italien gegossene Standbild.

Condottiere Gattamelata hoch zu Ross

Condottiere Gattamelata hoch zu Ross


Durch die Via del Santo und die Via San Francesco führte uns der Weg hinüber zum Palazzo del Bò, dem Hauptgebäude der Universität. Unter Italiens Hochschulen ist sie die Drittälteste. Gegründet wurde sie im Jahr 1222. Ihre Ursprünge verdankt sie wohl Rechtskundlern. Einer der berühmtesten akademischen Lehrer an der Universitas Studii Paduani war Galileo Galilei, der dort achtzehn Jahre wirkte. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts nahm das benachbarte Venedig Einfluss auf die Hochschule. Sie galt als offizielle Universität Venedigs. Heute verfügt das Institut über 13 Fakultäten von A wie Agrarwissenschaften bis W wie Wirtschaftswissenschaften. Etwa 70.000 Studenten sind eingeschrieben.

Palazzo del Bo -Detail

Palazzo del Bo -Detail


Rathaus und Cafè PedrocchiDem Hauptgebäude der Universität gegenüber steht Paduas ansehnliches Rathaus. In der Nähe des Rathauses erstrecken sich die Piazza Erbe (der Gemüsemarkt) und die Piazza dei Frutti (der Obstmarkt). Zwischen beiden ragt der Palazzo della Ragione, der Justizpalast, auf. Seine Maße faszinieren: Länge 81,50 m, Breite 27 m, Höhe 24 m. Die Arbeiten an diesem imposanten Gebäude wurden im Jahr 1219, also vor beinahe 800 Jahren, abgeschlossen!

Piazza Erbe Piazza dei Frutti

Arkaden des Palazzo della RagioneEs ruht auf Bögen, die an den Längsseiten Arkaden bilden, in denen Händler ihre Läden haben. Das obere Stockwerk ist von einer offenen Loggia umgeben. Bei diesem Geschoss handelt es sich um einen der größten freitragenden Säle Europas, dem Salone. Seine Wände sind mit einem aus 333 Szenen bestehenden Freskenzyklus bedeckt. – Ursprünglich diente der Palast als Gerichtsgebäude. Heute wird er für Ausstellungen und sonstige kulturelle Veranstaltungen genutzt. Besucher betreten das Gebäude über die Treppe Scala delle Erbe. Der Palazzo kann täglich, ausgenommen an Montagen, besichtigt werden.

Die offene Galerie des Palazzo della Ragione Palazzo della Ragione Scala delle Erbe

Piazza dei Signori und Palazzo del Capitanio

Häuser an der Piazza dei Signori An die beiden Marktplätze schließt sich die nach  den Stadtherren Paduas benannte Piazza dei Signori an.  Um den rechteckigen Platz herum stehen stilvolle Wohnhäuser, die im 19. Jahrhundert entstanden. Die Schmalseite des Platzes wird vom Palazzo del Capitanio, der früheren Residenz des Stadtkommandanten eingenommen. Der markanteste Teil des Gebäudes ist der Torre dell’Orologio, der Uhrturm. Die im Jahr 1437 vollendete Uhr ist ein technisches Meisterwerk. Neben der Uhrzeit zeigt sie den Tag, das entsprechende Tierkreiszeichen, die Mondphase und die Planetenbewegungen an.

Uhrturm mit Uhr

Uhrturm mit Uhr


Paduas Rathaus Der Stadtrundgang neigte sich dem Ende zu. Von der Piazza dei Frutti gingen wir hinüber zur Via VIII Febbraio. An der liegt zwar keine Sehenswürdigkeit, wohl aber eine der bekanntesten Institutionen Paduas. Gemeint ist das Caffè Pedrocchi. Entstanden ist es im frühen 19. Jahrhundert. Seine klassizistische Außenfassade und die glanzvollen Innenräume rufen Bewunderung hervor. Von jeher war es ein Treffpunkt der intellektuellen Elite Paduas. Dem Kaffee gegenüber befindet sich das Rathaus.

Piazza dei Frutti Cafe Pedrocchi Eingang des Cafes Pedrocchi

Das astronomische Observatorium SpecolaMit dieser letzten Station endete unser Rundgang durch Padua. Wir hätten gern mehr gesehen. Es fehlten u. a. die Kathedrale mit dem Baptisterium und dem Diözesanmuseum, der Botanische Garten,  das astronomische Observatorium Specola oder die Chiesa degli Eremitani. Die wenigstens sahen wir noch, als wir Padua mit dem Bus verließen.


Fazit

Für den Besuch Paduas standen netto nur annähernd zwei Stunden Zeit zur Verfügung. Die engagierte Stadtführerin präsentierte uns die wesentlichen Sehenswürdigkeiten. Und dabei leistete sie gute Arbeit. In Verbindung mit einem längerem Zwischenaufenthalt in Venedig, ist Padua ein nahe gelegenes und lohnenswertes Ziel.

Historische Gebäude in Paduas Zentrum

Historische Gebäude in Paduas Zentrum


Die bei Celebrity Cruises gebuchte Tour mit der treffenden Bezeichnung „Padua & Airport Transfer“ kostete 74,00 Euro. Mit dem aktuellen Wissen würden wir die Tour zukünftig individuell angehen. Wir würden mit dem People Mover zur Piazzale Roma fahren, dort unser Reisegepäck in Verwahrung geben und uns mit einem der SITA-Linienbusse oder mit dem Zug vom nahegelegenen Bahnhof aus auf den Weg nach Padua machen. Nach Rückkehr würden wir mit unserem Gepäck an der Piazzale Roma in den regelmäßig verkehrenden Flughafenbus steigen und zum Flughafen Marco Polo fahren. Das alles wäre problemlos für weniger Geld und mit zumindest ebenso großem Nutzen zu realisieren.