Venedig – Kurzbesuch in Padua

Venedig - Kurzbesuch in Padua


Nur 30 Kilometer Wegstrecke trennen Venedig und Padua. Wäre es nicht ratsam, die Großstadt Padua zu besuchen, wenn man sich an Venedigs Glanz sattgesehen hat?

Wir besuchen Padua nach einer in Venedig endenden Kreuzfahrt mit der Celebrity Silhouette. Zwischen der Ankunft an Venedigs Kreuzfahrterminal und dem Rückflug nach Deutschland liegen mehr als acht Stunden Zeit. Wir nutzten das Angebot der Reederei für einen Flughafentransfer in Verbindung mit einem vorhergehenden, geführten Besuch in Padua.

Celebrity Silhouette auf Reede in Kotor

Celebrity Silhouette auf Reede in Kotor


Wissenswertes zu Padua

Die etwa 210.000 Einwohner zählende Großstadt Padua liegt im Norden Italiens am Rande der Poebene. Padua ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und eine der ältesten Städte Italiens. Einer nicht belegten Sage zufolge wurde Padua 1.200 vor Christus gegründet. Das ist allerdings keine verlässliche Information. Fakt ist, dass es bereits im vierten Jahrhundert vor Christus ein Fischerdorf auf dem Gebiet der heutigen Stadt Padua gab. Aus ihm entwickelte sich im Laufe der Zeit eines der bedeutendsten und wohlhabendsten Gemeinwesen des Römischen Reiches.

Mehrere Jahrhunderte stand die Stadt unter venezianischer Herrschaft. Die endete, als im Jahr 1797 französische Truppen Padua einnahmen. Im selben Jahr trat Frankreich Padua an Österreich ab, und im Jahr 1866 wurde die Stadt dem Königreich Italien zugeschlagen. Im 2. Weltkrieg musste die Stadt mehrmals alliierte Bombenangriffe hinnehmen. Nach dem Krieg wurde Padua rasch wieder aufgebaut. Die Stadt ist in der Gegenwart eine der wohlhabendsten und geschäftigsten Regionen Norditaliens.

Stadtautobahn in Padua

Stadtautobahn in Padua


Eine Stippvisite – die wesentlichen Sehenswürdigkeiten Paduas

Für einen Rundgang in Paduas Stadtzentrum reichen die für unseren Aufenthalt eingeplanten zwei Stunden Zeit bei weitem nicht aus. Sie gewähren allerdings einen Eindruck der Hauptsehenswürdigkeiten der Provinzhauptstadt und geben einen Vorgeschmack für einen späteren und vertiefenden Besuch Paduas.

Padua - Piazza Camillo Benso
Padua - Via Santa Lucia
Historisches Gebäude in Paduas Zentrum
Padua - Modonna dei Noli an der Piazza Garibaldi

Piazza Prato della Valle

Wir verlassen den Tour-Bus und beginnen unseren Rundgang am Prato della Valle. Mit ungefähr 90.000 Quadratmeter Fläche ist er einer der größten innerstädtischen Plätze Europas.

Padua - Piazza Prato della Valle

Padua - Piazza Prato della Valle


Er wird lediglich vom Roten Platz in Moskau und der Place de la Concorde in Paris übertroffen. Der elliptisch geformte Platz wurde im Jahr 1775 aus Sumpfland, dem „Prato“, geschaffen. An der Stelle der Piazza stand einst eine römische Arena. Deren Reste wurden im 16. Jahrhundert für den Bau der nahe gelegenen Basilica di Santa Giustina verwendet. Das Besondere des Platzes: Ein Kanal und 78 steinerne Figuren umgeben den Platz. Die Skulpturen wurden gegen Entgelt bedeutenden Bürgern der Stadt gewidmet.

Padua - Piazza Prato della Valle


Padua - Piazza Prato della Valle


Padua - Fontäne der Piazza Prato della Valle


Padua - Fontäne der Piazza Prato della Valle 


Basilica di Santa Giustina

In Sichtweite des Platzes liegt in südöstlicher Richtung die Basilica minor di Santa Giustina. Die Abteikirche eines Benediktinerklosters war Justina von Padua gewidmet. Der Legende nach fand diese als Sechzehnjährige im Jahr 304 nach Christus ihres Glaubens wegen den Tod. Im 5. Jahrhundert nach Christus wurde am heutigen Standort das erste der Märtyrerin zugedachte Gotteshaus erbaut. Dieses und eine nachfolgende, im romanischen Stil errichtete Kirche wichen gegen Ende des 16. Jahrhunderts der im Stil der Renaissance gestalteten Basilika. Mit 122 Metern Länge ist sie die größte Kirche Venetiens und eine der größten Kirchen der Welt. Von ihrer Bedeutung her ist die Basilika ein italienisches Nationaldenkmal. Acht Kuppeln, vier große und vier kleine, krönen das fünfschiffige Bauwerk. Die Kirche besitzt eine bedeutende Sammlung religiöser Kunst.

Padua - Basilica di Santa Giustina

Padua - Basilica di Santa Giustina


Piazza del Santo mit der Basilica di Sant'Antonio di Padova

Vom Prato della Valle gelangen wir auf kurzem Weg zur Piazza del Santo. An ihr steht die Wallfahrtskirche Basilica di Sant'Antonio di Padova, eines der berühmtesten und meistbesuchten Heiligtümer Italiens. Das dem Heiligen Antonius geweihte Gotteshaus ist eines von weltweit acht „internationalen Heiligtümern“. Allein Päpsten ist es vorbehalten, eine Wallfahrtskirche derart auszuzeichnen. Die Kirche untersteht aus diesem Grund dem Heiligen Stuhl in Rom. Am 13. Juni jeden Jahres, dem Tag des hl. Antonius, kommen in Padua Hunderttausende Christen aus aller Welt zusammen.

Basilica di Sant'Antonio di Padova


Basilica di Sant'Antonio di Padova


Basilica di Sant'Antonio di Padova


Basilica di Sant'Antonio di Padova 


Die dreischiffige Kirche ist mit 118 Metern Länge etwas kleiner geraten als die Basilica di Santa Giustina. Die Ziegel-Fassade der Kirche misst 28 Meter in der Breite und 37 Meter in der Höhe. Auffällig sind ihre acht Kuppeln, die beiden sechseckigen, 68 m hohen Glockentürme und die zwei im byzantinischen Stil errichteten Türmchen in Minarettform. Über einer der Kuppeln schwebt in 72 Meter Höhe ein Engel. Für die Betrachtung des erst im Jahr 1895 geschaffenen Hochaltars sollten Besucher viel Zeit erübrigen. Er ist mit christlicher Symbolik überladen. Grabmäler und Seitenkapellen komplettieren das Interieur.

Modell der Basilica di Sant'Antonio di Padova


Modell der Basilica di Sant'Antonio di Padova


Modell der Basilica di Sant'Antonio di Padova


Modell der Basilica di Sant'Antonio di Padova 


Vier der fünf Kreuzgänge der Basilika sind Besuchern zugänglich. Der Kreuzgang der Magnolie, der Baum wurde vor mehr als 200 Jahren gepflanzt, und der Kreuzgang des Generals gefallen uns besonders gut.

Basilica di Sant'Antonio di Padova - Magnolien-Kreuzgang
Basilica di Sant'Antonio di Padova - Kreuzgang des Generals
Basilica di Sant'Antonio di Padova - Kreuzgang
Basilica di Sant'Antonio di Padova - Grabmal im Kreuzgang

Die Piazza del Santo, den Platz vor der Basilika, dominiert das bronzene Reiterstandbild des Condottiere Gattamelata. Der Söldnerführer brachte die meiste Zeit in venezianischen Diensten zu. Er wurde in der Sakramentskapelle begraben. Mit den Arbeiten an dem Reiterstandbild wurde im Jahr 1453 begonnen. Seine Gestaltung und seine Ausführung dienten Schöpfern anderer Reitermonumente über mehrere Jahrhunderte als Vorbild.

Padua - Reiterstandbild des Condottiere Gattamelata

Padua - Reiterstandbild des Condottiere Gattamelata


Palazzo del Bò

Durch die Via del Santo und die Via San Francesco führt unser Weg hinüber zum Palazzo del Bò, dem Hauptgebäude der Universität von Padua. Sie ist die drittälteste unter den italienischen Hochschulen. Gegründet wurde sie im Jahr 1222. Ihre Ursprünge verdankt sie vermutlich Rechtskundlern. Einer der berühmtesten akademischen Lehrer an der Universitas Studii Paduani war Galileo Galilei. Der Universalgelehrte wirkte achtzehn Jahre an der Universität. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts gewann das benachbarte Venedig Einfluss auf die Hochschule und machte sie in der Folge zur offiziellen Universität Venedigs. In der Gegenwart verfügt die Einrichtung über dreizehn Fakultäten von „A“ wie Agrarwissenschaften bis „W“ wie Wirtschaftswissenschaften. Etwa 60.000 Studenten sind eingeschrieben.

Padua - Palazzo del Bò - Detail

Padua - Palazzo del Bò - Detail


Zwei Märkte und der Palazzo della Ragione

Dem Hauptgebäude der Universität gegenüber steht Paduas Rathaus, der Palazzo Moroni. Nahe beim Rathaus liegen die Piazza delle Erbe (der Gemüsemarkt) und die Piazza della Frutta (der Obstmarkt). Beide Märkte trennt der Palazzo della Ragione, der Justizpalast. Seine Maße faszinieren die Betrachter: Allein der ehemalige Ratssaal misst 81,50 Meter in der Länge, 27 Meter in der Breite und 24 Meter in der Höhe. Das Bauwerk gilt als einer der wichtigsten europäischen Profanbauten des Hoch- und Spätmittelalters bzw. der Frührenaissance. Die Arbeiten an diesem imposanten Gebäude wurden im Jahr 1219, also vor mehr als 800 Jahren, abgeschlossen! Einhundert Jahre später kam ein Dachaufbau hinzu.

Palazzo Moroni - Paduas Rathaus
Palazzo Moroni - Paduas Rathaus
Padua - Piazza delle Erbe
Padua - Piazza della Frutta

Der Justizpalast ruht auf Bögen, die an den Längsseiten Arkaden bilden. In den Bogengängen betreiben Händler ihre Läden.

Padua - Arkaden des Palazzo della Ragione

Padua - Arkaden des Palazzo della Ragione


Das obere Stockwerk des Justizpalasts ist von einer offenen Loggia umgeben. Der Volksmund nennt den Justizpalast „il Salone“. Er ist einer der größten überdachten, freitragenden Säle Europas. Seine Wände bedeckt ein aus mehr als 300 Abbildungen bestehender Freskenzyklus. – Ursprünglich diente der Palast als Gerichtsgebäude. Heute wird er für Ausstellungen und sonstige kulturelle Veranstaltungen genutzt. Besucher betreten die Gebäudefläche über die Treppe Scala delle Erbe.

Padua - Palazzo della Ragione
Padua - die offene Galerie des Palazzo della Ragione
Padua - Palazzo della Ragione - Detail
Padua - Palazzo della Ragione - Scala delle Erbe

Der Palazzo ist von Dienstag bis Sonntag von 9:00 Uhr an für Besucher geöffnet.
Geschlossen ist er an allen Montagen, Feiertagen, zu Weihnachten, an St. Stephan, an Silvester und am 1. Mai.
Tickets: 7,00 Euro. Ermäßigungen für berechtigte Personen werden gewährt.

Piazza dei Signori

An die beiden Marktplätze schließt die nach den Stadtherren Paduas benannte Piazza dei Signori an. Den rechteckigen Platz umgeben stilvolle, im 19. Jahrhundert gebaute Wohnhäuser. Die Schmalseite des Platzes nimmt der Palazzo del Capitanio, die frühere Residenz des Stadtkommandanten ein. Der markanteste Teil des Gebäudes ist der Torre dell’Orologio, der Uhrturm. Die im Jahr 1437 vollendete Uhr ist ein technisches Meisterwerk. Neben der Uhrzeit zeigt sie den Tag, das entsprechende Tierkreiszeichen, die Mondphase und die Planetenbewegungen an.

Padua - Piazza dei Signori - der Palazzo del Capitanio


Padua - Piazza dei Signori - der Palazzo del Capitanio


Padua - Palazzo del Capitanio - Uhrturm mit Uhr


Padua - Palazzo del Capitanio - Uhrturm mit Uhr 


Besuch des Caffè Pedrocchi

Unser Stadtrundgang neigt sich dem Ende zu. Von der Piazza della Frutta gehen wir hinüber zur Via VIII Febbraio. An der liegt zwar keine Sehenswürdigkeit, wohl aber eine der bekanntesten Institutionen Paduas, das Caffè Pedrocchi. Seine Ursprünge gehen zurück bis ins frühe 19. Jahrhundert. Seine klassizistische Außenfassade und die glanzvollen Innenräume rufen Bewunderung hervor. Seit jeher war das Café ein Treffpunkt der intellektuellen Elite Paduas. Dem Kaffee gegenüber steht das Rathaus, der Palazzo Moroni. Bei ihm handelt es sich um einen Gebäudekomplex miteinander verbundener Palazzi unterschiedlicher Epochen.

Padua - Rathaus und Caffè Pedrocchi
Padua - Caffè Pedrocchi
Padua - Eingangsbereich des Caffè Pedrocchi
Padua - Caffè Pedrocchi

Mit dieser letzten Station endet unser Rundgang durch Padua. Wir hätten gern mehr gesehen. Es fehlten die Kathedrale mit dem Baptisterium und dem Diözesanmuseum, der Botanische Garten oder die Chiesa degli Eremitani. Die wenigstens sahen wir noch, als wir Padua mit dem Bus verließen.

Fazit unseres zweistündigen Aufenthalts in Padua

Für den Besuch Paduas stehen bei einem Transfer von Venedigs Kreuzfahrtterminal zu Venedigs Flughafen netto annähernd zwei Stunden Zeit zur Verfügung. Das ist viel zu wenig für eine Stadt wie Padua. In Verbindung mit einem längeren Aufenthalt in Venedig, ist Padua ein nahe gelegenes und unbedingt lohnenswertes Ziel.Padua - Piazza Cavour

Padua - Piazza Cavour


Die bei Celebrity Cruises gebuchte Tour mit der Bezeichnung „Padua & Airport Transfer“ kostete vor einigen Jahren 74,00 Euro pro Person. Mit dem aktuellen Wissen würden wir die Tour zukünftig individuell angehen. Wir würden mit Venedigs People Mover zur Piazzale Roma fahren, dort unser Reisegepäck in Verwahrung geben und uns mit einem der SITA-Linienbusse oder mit dem Zug vom nahegelegenen Bahnhof Santa Lucia aus auf den Weg nach Padua machen. Nach Rückkehr würden wir mit unserem Gepäck am Piazzale Roma in einen der regelmäßig verkehrenden Flughafenbusse steigen und zum Flughafen Marco Polo fahren. Das alles wäre problemlos für weniger Geld und mit zumindest ebenso großem Nutzen zu realisieren.

Update März 2022