Autor: Karl W. P. Beyer

Wir schätzen es, wenn unsere Kreuzfahrt in Venedig beginnt, oder wenn im Verlauf einer Reise die Lagunenstadt Venedig angelaufen wird. Zu den von uns bislang noch nicht besuchten Zielen der Lagunenstadt gehörte Murano. Nie bot sich uns zuvor die Gelegenheit, die Inselgruppe vor den Toren Venedigs anzusehen. Im Juli 2016 schaffen wir das endlich.

Murano - Canale Grande di Murano

Murano - Canale Grande di Murano


Über elf Jahrhunderte war die Republik Venedig eine bedeutende See- und Handelsmacht, deren Aktivitäten weit über den Mittelmeerraum hinaus reichten. Der Name Serenissima Repubblica di San Marco bringt die Vormachtstellung Venedigs zum Ausdruck. Im übertragenen Sinn ist Venedig adelig; das benachbarte Murano dagegen ist von bürgerlicher Herkunft. Murano fehlt jener Glanz, der Venedig zu eigen ist und der Venedig so unwiderstehlich macht. In einem ist Murano allerdings Venedig überlegen; als Zentrum der Glaskunst besitzt Murano Weltgeltung.

Murano - Glasfabrik und Ausstellung

Murano - Glasfabrik und Ausstellung


Wie Venedig wurde auch Murano auf Inseln der Lagune errichtet. Im Gegensatz zu Venedig liegt die Kleinstadt nur auf sieben Inseln. Die Gemeindefläche wird mit etwa 1,5 km² angegeben. Acht Kanäle durchziehen die Inselgruppe; der breite Canal Grande di Murano trennt die Inseln in einen südlichen und einen nördlichen Teil. Elf Brücken verbinden die einzelnen Inseln miteinander. Seit dem Jahr 1924 ist Murano ein Stadtteil Venedigs.

Murano - Haltepunkt Navagero Murano - Canale di San Donato

Murano - Brücke über den Kanal Rio San Matteo Murano - Fondamenta Venier

Zur Geschichte des venezianischen Glases: Um das Jahr 1000 n. Chr. berichtet der Benediktinermönch Fiolario von der Glasherstellung in Venedig. Der Handelsverkehr mit den östlichen Regionen des Mittelmeerraums bis hin nach China ließ die Glasindustrie vermutlich prosperieren. Nach einem gegen Ende des 13. Jahrhunderts von Venedigs Glashütten ausgehenden, verheerenden Brand wurden die Glaswerkstätten nach Murano verlegt. Einer der Gründe für den Standortwechsel mag aber auch der wirksame Schutz der Geheimnisse der Glasproduktion gewesen sein. Auf einer Insel war das Spezialwissen besser vor Spionen geschützt als in der „weltoffenen“ Stadt Venedig.

Der Leuchtturm von Murano

Der Leuchtturm von Murano


Quellen berichten, dass im 16. Jahrhundert 30.000 Menschen auf Murano lebten und mit Glas arbeiteten. Das Aufkommen der böhmischen Glasindustrie brach jedoch das venezianische Monopol. Weltweite Erfolge und Anerkennung verzeichnet Murano erst wieder seit dem 19. Jahrhundert. Derzeit arbeiten auf Murano in ungefähr 100 Glaswerkstätten noch etwa 6.000 Menschen.

Murano - Glasfabrik Murano - Der Name ist Programm Murano - Glasfabrik

Murano ist ein überschaubares Ausflugsziel. Ein zwei- oder dreistündiger Aufenthalt reicht uns allemal, um den Ort kennenzulernen. Nach Murano fahren von der Piazzale Roma im Zentrum Venedigs die Vaporetto-Linien 4.1 oder 4.2. Vaporetti sind die allgegenwärtig in Venedig verkehrenden Wasserbusse, die jeden Ort der Region erschließen.

Erster Haltepunkt auf Murano ist Faro (der Leuchtturm). Es folgt die Station Navagero. Am Fondamenta Cavour liegt die Station Museo. Dort steigen wir aus. - Unseren Rundgang beginnen wir mit dem Besuch der aus dem 12. Jahrhundert stammenden Basilica di Santa Maria e San Donato. Wahrzeichen der ehemaligen Kathedrale ist der freistehende viereckige Campanile. Die eigentliche „Prachtseite“ der Kirche ist nicht der Eingangsbereich, sondern der Chorbereich an der Ostseite. Mit der Architektur dieses Gebäudeteils sollten die zumeist über den Kanal Rio di San Matteo anreisenden Besucher beeindruckt werden. Besonders auffällig ist die mit weißen Säulen gestaltete, zweigeschossige Bogenkonstruktion der Fassade. Im Innenbereich der Basilika findet man aufwendig gearbeitete Mosaik-Fußböden mit floralen Motiven.

Murano - La Gare Hotel Venezia Murano - Campanile der Basilika Santa Maria e San Donato Murano - Basilika Santa Maria e San Donato

 

 

Von den früher häufig auf Murano anzutreffenden Palästen ist nur noch wenig geblieben. Der aus dem 15. Jahrhundert stammende Palazzo da Mula ist ein Beispiel für die Wohnsitze der Wohlhabenden. Das mit einer spätgotischen Fassade gestaltete Gebäude steht an der Fondamenta da Mula.

Murano - Palazzo da Mula

Murano - Palazzo da Mula


Bei unserem Rundgang durch den Ort stoßen wir allerorts auf kleine und große Glaswerkstätten. Typische Murano-Glasprodukte sind Skulpturen und Figuren, Spiegel, Geschirr, Vasen, Lüster und Schmuck. Letzteres sowie Brieföffner, Briefbeschwerer und andere Glasprodukte sind gern von Touristen gekaufte Alltagsartikel. Die hochwertigeren Produkte erfordern dagegen langwierige, komplizierte Arbeitsabläufe. In diesen Fällen darf wohl von Glaskunst gesprochen werden.

Wer mehr über Glaskunst erfahren möchte, besucht das in der ehemaligen Residenz der Bischöfe von Torcello eingerichtete Museo Vetrario di Murano. Dort wird den Besuchern eine Sammlung historischer Glaswaren geboten.

Murano - Häuser am Rio dei Vetrai Murano - Fondamenta Daniele Manin Murano - Fondamenta Daniele Manin

Nicht zu übersehen ist an der Fondamenta Daniele Manin der Cometa di Vetro. Das „Glaskomet“ genannte monumentale Glasobjekt ist ein Ausdruck des handwerklichen Könnens der Glaskünstler Muranos.

Murano - Cometa di Vetro - Der Glaskomet

Murano - Cometa di Vetro - Der Glaskomet


Mit dem Vaporetto der Linie 7 fahren wir zurück nach Venedig. Die Schiffe der Linie 7 umrunden Venedig in südlicher Richtung. Das Schiff passiert den Stadtteil Arsenale und nimmt Kurs auf die Isola La Certosa. Dem Stadtteil Arsenale gegenüber liegt in weiter Entfernung die Insel Burano. Dazwischen blicken wir unbewohnte, an Marschland erinnernde Inseln.

Venedig - Arsenale Nord Insel Burano und Marschland Venedig - Isola la Certosa - Dahinter der Lido

Hinter der Certosa steuert der Schiffsführer nach einer scharfen Rechtswende die Station San Zaccaria vor der Piazetta San Marco an. Auf der rechten Seite tauchen die Giardini des Sestiere Castello auf und zur Linken blicken wir auf den Lido von Venedig.

Lido von Venedig mit dem Tempio Ossario

Lido von Venedig mit dem Tempio Ossario


An der Station San Zaccaria verlassen wir das Schiff. Gegenüber liegt die Insel von San Giorgio Maggiore. Die besuchten wir am Vormittag des Tages. 

Vendig - San Giorgio Maggiore mit der Eurodam

Vendig - San Giorgio Maggiore mit der Eurodam


Wir möchten nicht schließen, ohne die zwischen Venedig und Murano liegende Insel San Michele zu erwähnen. Die 460 mal 390 Meter messende Friedhofsinsel war ursprünglich Standort eines Klosters. Die Renaissancekirche San Michele in Isola und die in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts errichtete Capella Emiliani sind Zeugen jener Zeit. Im Jahr 1837 wurde begonnen, auf der Insel sowie der Nachbarinsel San Cristoforo Venedigs Zentralfriedhof zu errichten. Der mit einer Ziegelmauer umgebene und mit Zypressen bestandene Cimitero ersetzte die vorherigen, bei Venedigs Pfarrkirchen gelegenen Friedhöfe.

Venedig - Friedhofsinsel San Michele Venedig - San Michele und Capella Emiliani

Die Vaporetti legen auf dem Weg von Venedig nach Murano an der Friedhofsinsel an. Wir empfinden es als lohnenswert, dort die Fahrt zu unterbrechen. Nach dem Trubel Venedigs genießen wir auf San Michele die absolute Ruhe.

Venedig - Friedhofsinsel San Michele mit gleichnamiger Kirche

Venedig - Friedhofsinsel San Michele mit gleichnamiger Kirche


Eine Empfehlung:

Einzelfahrten mit den praktischen Vaporetti kosten im Jahr 2016 acht Euro, unabhängig von der Länge der Fahrt. Ein Tagesticket für unbegrenzte Fahrten mit dem Vaporetto wird dagegen für nur 20 Euro verkauft. Für individuelle Touren in Venedig und dem Umfeld lohnt sich deshalb schon bei einem Tagesaufenthalt der Kauf eines Tagestickets.