Autor: Karl W. P. Beyer

Venedigs Kreuzfahrthafen

Das Kreuzfahrtschiff dockt im zentral gelegenen Kreuzfahrt-Hafen Venedigs. Bald darauf starten von Bord des Schiffes die geführten Besichtigungstouren ins Centro Storico Venedigs, den historischen vom UNESCO-Weltkulturerbe geschützten Stadtkern. 

Geführte Touren vermitteln gute Informationen zu den Sehenswürdigkeiten einer Region. Im Falle Venedigs tun geführte Touren nach unserer Einschätzung allerdings nicht not. Venedig lässt sich auf eigene Faust gut entdecken. - Ein Maß an Vorbereitung muss allerdings sein. Informationen zu Venedigs Attraktionen sind wichtig, und die Top-Sehenswürdigkeiten sollte man kennen. Unser praxiserprobter Fußweg durch das historische Venedig, beginnend an der Piazzale Roma und endend auf der Piazetta San Marco neben dem Dogenpalast, macht Spaß und lässt Blicke hinter Venedigs Kulissen zu. 

Piazzale Roma     Piazetta San Marco

Wir starten unseren Weg an der Piazzale Roma. Um dorthin zu gelangen, nehmen wir den People Mover. Die auf Stelzen gebaute Einschienenbahn verkehrt zwischen der aufgeschütteten Insel Tronchetto und der Piazzale Roma. Auf Tronchetto parken mit dem Auto angereiste Kreuzfahrer ihre Autos vor Antritt der Kreuzfahrt. Die Bahn hält etwa 250 m vom Kreuzfahrt-Terminal entfernt. Die Fahrt bis zur Piazzale Roma, dem großen Verkehrsknotenpunkt in Venedig, kostet wenig und dauert nur ein paar Minuten. 

Venedigs People Mover

Venedigs People Mover


An der Piazzale Roma ist der Weg zur Rialtobrücke ausgeschildert, der ersten wesentlichen Etappe unserer venezianischen Entdeckungstour. Wir folgen der Wegweisung. Die Ausschilderungen sind unmissverständlich gehalten. Bald schon stehen wir vor der schönen Chiesa di San Nicola da Tolentino. Ein kleiner tempelartiger Vorbau schmückt den Eingangsbereich der Kirche. 

San Nicola da Tolentino     San Nicola da Tolentino

Durch gepflegte, saubere Sträßchen und Gassen geht es weiter ...

Venedigs gepflegte Straßen

... zur Kirche und dem Kloster Santa Maria Gloriosa di Frari.

Santa Maria Gloriosa dei Frari

Ihrer Kunstschätze wegen gilt die Kirche als eines der wichtigsten Gotteshäuser Venedigs. Wer schon immer einmal Gemälde von Tizian sehen wollte, hier findet er sie. Im ehemaligen Kloster hat das Staatsarchiv Aufnahme gefunden. Der Kirche gegenüber liegt eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Venedigs, das prachtvolle Versammlungshaus der Scuola Grande di San Rocco. Für die Besichtigung der Kirche und der Scuola Grande wird Eintrittsgeld erhoben. Das Ensemble wird ergänzt durch ein Museum, das an das Malergenie Leonardo da Vinci erinnert. 

Das Gebäude-Ensemble wird ergänzt durch ein Museum, das an das Malergenie Leonardo da Vinci erinnert.    

Scuola Grande di San Rocco     Leonardo da Vinci Museo

Bis hierhin haben wir etwa einen Kilometer zurückgelegt. Wir folgen dem Weg zur Rialtobrücke auf verschlungenen Wegen entlang der Kanäle und über viele Brücken. Plötzlich liegt der große, offene Campo San Polo vor uns. Eine Seite des Platzes begrenzt die Kirche San Polo. Auf der anderen Seite ragt der Sitz der Guarda di Finanza auf. Willkommen in der Realität! Vom Campo San Polo folgen wir der Calle Perdon bis zur Chiesa di Sant Aponal. Dann geht es hinunter zur Riva del Vin, der breiten Uferzone am Canale Grande. Dann sehen wir vor uns die Rialtobrücke liegen. 

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts kreuzte sie als einzige Brücke den Kanal. Der ist in Wirklichkeit ein Fluss und hört auf den Namen Brenta. Die Brücke bietet schöne Ausblicke auf den Kanal und die umliegenden Häuser und Paläste. Wir teilen unsere Eindrücke zwangsläufig mit Hunderten anderer Besucher, ob wir wollen oder nicht. 

Venedigs Kanäle     Campo San Polo

Rialtobrücke     Gondeln vor der Rialtobrücke 

Santi Giovanni e Paolo

Nun könnten wir geradewegs hinüber zum Markusplatz gehen. Das tun wir allerdings nicht; schließlich möchten wir noch weitere Eindrücke Venedigs sammeln. Etwa 50 m hinter der Rialtobrücke biegen wir an einem kleinen Platz links ab in die Calle Fontego Castello, die geht über in die Salita Fontego. Wir passieren die Kirche San Giovanni Crisotomo und biegen nach rechts in die Salita San Canciano ein, der wir 150 m folgen. Unser nächstes Ziel ist der Campo Santi Giovanne e Paolo. Dort steht die dreischiffige Basilika Santi Giovanni e Paolo, eine vom Dominikanerorden gegründete Klosterkirche. Sie wurde im gotischen Stil errichtet und gilt noch heute als eine der bedeutendsten Kirchen Venedigs. Dogen und Adelige wurden in der Kirche begraben. 

Scuola Grande di San Marco

Neben der Kirche steht eine weitere der insgesamt sechs Scuole Grandi, die Scuola Grande di San Marco. Das beeindruckende, mit Marmor verkleidete Bauwerk ist heute Sitz eines Krankenhauses. Bevor wir den Platz mit der wunderbaren Aussicht auf die Bauten verlassen, nutzen wir die Gelegenheit, in einem der am Platz gelegenen Restaurants einen Happen zu essen und etwas zu trinken. Dabei können wir auch noch das Standbild des Söldnerführers Bartolomeo Colleoni bewundern. – Wie zu vernehmen ist, schätzten die Venezianer profane Standbilder nicht sonderlich. Allerdings mochten sie dem Condottiere Colleoni auch nicht den Wunsch nach einem Standbild abschlagen, schließlich war er bereit, sein ganzes zusammengeraubtes Vermögen der Stadt zu hinterlassen. Man arrangierte sich schließlich mithilfe der Advocati. Colleoni bekam sein Denkmal und Venedig erhielt sein Geld.

Condottiere Colleoni 

Condottiere Colleoni


Nach der Pause geht es weiter in Richtung des Markusplatzes. Unterwegs queren wir den Campo Santa Maria Formosa. An ihm liegen das schöne Ruzzini Palace Hotel, der Palazzo Malipiero und die Kirche Santa Maria Formosa. Ihre mit einer Kuppel und einem schönen Campanile ausgestattete Nordfassade beeindruckt uns. 

Campo Santa Maria Formosa     Santa Maria Formosa

Die auf den Markusplatz hinweisenden Schilder sind einfach nicht zu verfehlen. Noch ein paar Hundert Meter und wir stehen auf dem Markusplatz und bewundern diesen trapezförmig zulaufenden Platz. Wir sehen die Markusbasilika, die entlang des Platzes errichteten alten und neuen Procuratori mit den schönen Arkadengängen, den Dogenpalast und den Torre dell’Orologio, den Uhrenturm. 

Details der Markusbasilika     Procuratori und der Uhrenturm

Um den Platz herum liegen mehrere Cafés. Eines der Cafés ist das Caffè Florian. Es heißt, es sei das älteste Café Venedigs. Die Preise kommen uns atemberaubend hoch vor. Für die Musik wird ein Aufschlag erhoben. Wir beschließen, dieses teure Vergnügen Anderen zu überlassen.

Caffè Florian

Caffè Florian


Ein paar Schritte noch auf der Piazetta San Marco und wir erreichen die Riva degli Schiavoni, den Bereich zwischen der Lagune und der Piazetta San Marco. Später am Tag werden wir diese gigantische Kulisse mit unserem Kreuzfahrtschiff nochmals passieren. 

Blick auf Isola San Giorgio Maggiore

Blick auf Isola San Giorgio Maggiore


Schräg gegenüber liegt die Punta della Dogana, die ehemalige Zollstelle. Daneben das die Halbinsel beherrschende Bauwerk der Basilika di Santa Maria della Salute. Die im 17. Jahrhundert nach einer Pestepidemie errichtete Kirche behalten wir uns für einen späteren Kurzaufenthalt vor. Mit dem Vaporetto, dem Linienfährboot, das wie ein Omnibus die Stationen des Canal Grande abfährt, gelangen wir zurück zur Piazzale Roma und von dort geht es mit dem People Mover zurück zu unserem Kreuzfahrtschiff. 

Punta della Dogana     Santa Maria della Salute

Mit dem Vaporetto, dem Linienfährboot, das wie ein Omnibus die Stationen des Canal Grande abfährt, gelangen wir zurück zur Piazzale Roma und von dort geht es mit dem People Mover zurück zu unserem Kreuzfahrtschiff.

Vaporetto auf dem Canal Grande

Vaporetto auf dem Canal Grande


Die Wegstrecke macht insgesamt circa vier Kilometer aus. Wir empfehlen, im Minimum sechs Stunden Zeit für diesen Weg und die Sehenswürdigkeiten einzuplanen. Ach übrigens: Im Jahr 2013 zahlt der geschätzte Gast bei Celebrity Cruises für einen ähnlichen, geführten vierstündigen Rundgang 66,25 Euro. Heute dürfte es ein wenig mehr sein. Unsere Kosten beliefen sich pro Person auf 3 Euro für den People Mover und 8 Euro für die Fahrt mit dem Vaporetto.

(Update 2016)