Autor: Karl W. P. Beyer

Nizza - Hauptstadt der Côte d’Azur

Das Fremdenverkehrsamt Nizza beschreibt die Stadt mit diesen Worten: „Nizza ist die fünftgrößte Stadt Frankreichs, die Hauptstadt der Côte d’Azur und nach Paris das zweitwichtigste Reiseziel für den internationalen Tourismus in Frankreich“.

Nizza - Baie des Anges

Nizza - Baie des Anges


Zu erwähnen ist ferner, dass etwa fünf Millionen Touristen jährlich die 350.000-Einwohner-Stadt besuchen. Unter den Besuchern sind auch mehr als 467.000 Passagiere von Kreuzfahrtschiffen. Die reisen über den zweitgrößten französischen Kreuzfahrthafen an, gemeint ist die Reede von Villefranche-sur-Mer.

Celebrity Reflection auf Reede vor Villefranche-sur-Mer

Celebrity Reflection auf Reede vor Villefranche-sur-Mer


Ende Mai 2017 liegt unser Kreuzfahrtschiff, die Celebrity Reflection, vor Villefranche-sur-Mer. Wir empfinden die Kleinstadt als angenehmes Etappenziel. Das ist nicht verwunderlich, schließlich besuchen wir eine der attraktivsten Mittelmeerregionen. Viel zu entdecken gibt es in Villefranche jedoch nicht.

Villefranche-sur-Mer - Panorama

Villefranche-sur-Mer - Panorama


Das wussten wir bereits vor Antritt unserer Kreuzfahrt. Deshalb entschieden wir uns für einen Besuch der Stadt Nizza. Dort gibt es für jede Interessenlage sehr viel zu sehen. Auf einem Rundgang konnten wir einige Sehenswürdkeiten in Nizza entdecken.

 

Avenue Jean Médecin

Mit einem der sauberen und regelmäßig verkehrenden Regionalzüge fahren wir von Villefranche in das nur wenige Kilometer entfernte Nizza. Dessen Hauptbahnhof an der Avenue Thiers ist Ausgangspunkt für unseren mehrstündigen Stadtrundgang.

Nizza - Hauptbahnhof

Nizza - Hauptbahnhof


Wir gehen bis zur nahegelegenen Avenue Jean Médecin. Der Straße folgen wir in Richtung Promenade des Anglais. Wären wir geradeaus gegangen, hätten wir das Musée National Marc Chagall besuchen können, doch das steht heute nicht auf dem Programm.

Nizza - Avenue Jean Médecin

Nizza - Avenue Jean Médecin


An der schnurgerade verlaufenden Avenue Jean Médecin residieren die üblichen Verdächtigen, die sich Geschäftslagen im Zentrum einer Stadt leisten können: Banken, Versicherungen, Telefonläden, Kaufhäuser etc.

Nizza - Arkaden der Galeries Lafayette

Nizza - Arkaden der Galeries Lafayette


Nizza - Basilika Notre-Dame de l'AssomptionNach kurzem Weg erreichen wir die auf der rechten Straßenseite liegende Basilique Notre-Dame de l’Assomption (Mariä Himmelfahrt), eine mächtige im neugotischen Stil erbaute Hallenkirche. Sie ist wegen ihrer an Notre-Dame in Paris angelehnten Fassade und der 33 Meter hohen Türme nicht zu verfehlen. Was althergebracht wirkt, täuscht aber. Erst im Jahr 1864 wurde mit dem Bau der Kirche begonnen. Vier Jahre später fanden trotz des unfertigen Zustands erste Gottesdienste statt. Nach langwierigen Verzögerungen, es mangelte wie so oft am Geld, wurde die Basilika 1879 als vollendet erklärt. Damit ist die Geschichte der Kirche zwar noch lange nicht zu Ende erzählt … aber das würde an dieser Stelle zu weit führen.

Nizza - Basilika Notre-Dame de l'Assomption Nizza - Kirchenschiff - Basilika Notre-Dame de l'Assomption

 

Die Fontaine du Soleil an der Place Masséna

Die Avenue Jean Médecin führt direkt zur Place Masséna. An der liegen rechts und links weitläufige Promenaden mit Wasserspielen und Grünanlagen. Großzügige Bauten begrenzen den Platz zum Süden hin.

Nizza - Place Masséna Nizza - Place Masséna Nizza - Place Masséna

Den Platz dominiert eine Fontaine du Soleil genannte Brunnenanlage. Eine sieben Meter hohe, aus Marmor gehauene Apollo-Statue bedarf unserer besonderen Würdigung. Wie nachzulesen ist, wurde der Brunnen im Jahr 1956 mit großem Pomp enthüllt. Die Statue des Apoll geriet bald darauf zur Skandalfigur. Immerhin präsentierte sich der Gott des Lichts als wohlgestalteter nackter Mann. Noch dazu in vierfacher Vergrößerung. Auch das Symbol seiner Männlichkeit geriet entsprechend groß. Das war den damaligen prüden Sittenwächtern Nizzas dann doch zu viel. Was im bibelfesten Rom allenthalben an unbekleideten Statuen herumsteht, erregte in Nizza Anstoß. Bevor im Jahr 1979 eine katholische Frauengruppe das zeitweilige Verschwinden des Schönen von der Place Masséna bewirken konnte, musste der Bildhauer dem griechischen Gott erst einmal mit Hammer und Meißel zu Leibe rücken, um den Stein des Anstoßes zu minimieren. Vor etwa 15 Jahren durfte Apollo dann doch wieder seinen angestammten Platz einnehmen.

Nizza - Apollon-Statue auf der Place Masséna

Nizza - Apollon-Statue auf der Place Masséna


 

Die Promenade des Anglais

Etwa 150 Meter Luftlinie trennen die ursprünglich anstößige Fontaine du Soleil vom Mittelmeer, genauer: der Baie des Anges. Parallel zum Meer verläuft die breite, etwa sieben Kilometer lange Promenade des Anglais. An der Promenade liegen nicht nur die vielen öffentlichen und privaten Badestrände sondern auch das Casino, große Hotels und elegante Villen. Eine besondere Landmarke ist das unter Denkmalschutz stehende, weltberühmte Hotel Negresco. Das wollen wir besuchen.

Nizza - Monument du CentenaireVon der Place Masséna folgen wir der am JardinAlbert 1er entlangführenden Straße zur Promenade des Anglais. Vorbei an einem altmodischen Kinderkarussell und dem gewaltigen Monument du Centenaire, gehen wir die sechsspurige, von einem breiten Mittelstreifen getrennte Promenade entlang. Das Monument du Centenaire stellt die griechische Siegesgöttin Nike dar. Es wurde im Jahr 1896 zum 100. Jahrestag des Anschlusses der Stadt Nizza an Frankreich errichtet.

 

 

Nizza - Monument du Centenaire - Siegesgöttin Nike

Nizza - Monument du Centenaire - Siegesgöttin Nike


Wir passieren das große Meridien-Hotel, das Casino, danach das Hotel Le Royal. In der Ferne sehen wir schon die Kuppel des Negresco. Der Weg zieht sich hin. Vielleicht bewirken die auf der Prachtstraße stattfindenden Bauarbeiten eine Änderung unseres Vorhabens. Die rechte Stimmung will nicht aufkommen. Also kehren wir um und folgen der hoch über dem Meer gelegenen Strandpromenade in östlicher Richtung.

Nizza - Privater Strandabschnitt

Nizza - Privater Strandabschnitt


Unter uns liegen der grobe Kiesstrand und die vielen gepflegten Badeanstalten und Restaurants. Gut gefällt uns beispielsweise der Privatstrand des Hotels Meridien. Im Übrigen patrouillieren auf der Promenade schwer bewaffnete Soldaten in Viergruppen. Vermutlich als Folge des terroristischen Aktes, der am 14. Juli 2016, dem französischen Nationalfeiertag, achtzig Menschen das Leben kostete.

Nizza - Sicherheitsmaßnahme auf der Promenade des Anglais

Nizza - Sicherheitsmaßnahme auf der Promenade des Anglais


 

Kunst im öffentlichen Raum

Auf der Höhe der Avenue des Phocéens geht die Promenade in den Quai des États-Unis über. Dort stehen auf engem Raum drei Kunstwerke. Es sind …

… das Monument Neuf Lignes Obliques. Die im Jahr 2010 geschaffene 30 Meter hohe Stahlskulptur, soll die neun Täler der ehemaligen Grafschaft Nizza symbolisieren. Sie wurde zum 150. Jubiläum des Anschlusses der Stadt Nizza an Frankreich eingeweiht.

… der drei Meter hohe, zweidimensionale Chaise de SAB auf der Höhe der Hausnummer 107. Dieser Stuhl ist eine Hommage an die Hunderte Anfang der 1950er-Jahre in Nizza auf der Promenade des Anglais aufgestellten blauen Stühle, die damals gegen ein geringes Entgelt vermietet wurden.

… eine Nachbildung der New Yorker Freiheitsstatue. Die wurde zwischen dem Opernhaus von Nizza und der Strandpromenade platziert.

Nizza - Stahlmonument Neuf Lignes Obliques Nizza . La Chaise de SAB Nizza - Kopie der New Yorker Freiheitsstatue Nizza - Opernhaus

 

 

Pointe Rauba Capeu

Auf den Quai des États-Unis folgt der Quai Rauba Capeu. An der Pointe Rauba Capeu wurde eine große Sonnenuhr installiert, die des menschlichen Einsatzes bedarf. Stellt man sich auf bestimmte Markierungen im Boden, wirft der eigene Körper einen Schatten, der die Uhrzeit anzeigt. Bei 300 Sonnentagen im Jahr lohnt es schon einmal, einen eigenen Schatten zu werfen.

Nizza - Castel Plage vor der Pointe Rauba Capeu

Nizza - Castel Plage vor der Pointe Rauba Capeu


Nizza - KriegerdenkmalWir folgen der Straße noch ein kurzes Stück, um das hinter einer Felsspitze liegende Monument aux Morts de Rauba-Capeu zu sehen. Das circa 32 Meter hohe, in den Colline du Château eingelassene Denkmal erinnert an die 3.665 toten Einwohner Nizzas, die im Ersten Weltkrieg ihr Leben verloren. Fünf Stufen führen zum Denkmal hinaus. Jede Stufe steht für ein Kriegsjahr.

Die Colline du Château

Über dem Monument erhebt sich der Schlosshügel Colline du Château auf etwas mehr als 90 Meter Höhe. Auf den Hügel führen Treppen und ein bequemer Aufzug, der Ascenseur du Chateau. Wir finden ihn gut versteckt 50 Meter links neben dem Hotel Suisse. Das liegt in der Nähe der Pointe Rauba Capeu.

Nizza - Aufzug zur Colline du Chateau Nizza - Zugang zum Aufzug zur Colline du Chateau

Die Colline du Chateau ist eine 20 Hektar große Parkanlage mit einigen dekorativen Ruinen und schönem Baumbestand. Autos sind ausgesperrt. Die Besucher finden dort viel Ruhe, und sie genießen wunderbare Blicke auf die Baie des Anges, die Altstadt, den Port Lympia und die hügelreiche Umgebung. Und für Kinder gibt es Spielplätze.

Nizza - Parkanlage der Colline du Chateau Nizza - Blick auf die Altstadt Nizzas hügeliges Umland

Das Schloss und die dazugehörige Festung, sie galt ursprünglich als uneinnehmbar, wurden 1706 von französischen Truppen auf Geheiß Ludwig XIV. dem Erdboden gleichgemacht. Nizza gehörte in jener Zeit noch nicht zum Königreich Frankreich sondern zum Herzogtum Savoyen. Panoramatafeln geben nützliche Beschreibungen.

Nizza - Colline du Chateau - Mosaike auf den Wegen Nizza - Die Tafel zeigt den ursprünglichen Standort des Chateau an

Einen künstlichen, meterhohen Wasserfall gibt es ebenfalls. Ein ehemaliges Verlies der Zitadelle wurde in die Kaskade einbezogen. Der Wasserfall diente ab Mitte des 19. Jahrhunderts sowohl der Dekoration des Gartens als auch der Wasserversorgung Nizzas.

Nizza - Kaskade auf der Colline du Chateau Nizza - Kaskade auf der Colline du Chateau Nizza - Kaskade auf der Colline du Chateau

 

 

Von den drei angrenzenden Friedhöfen ist der Jüdische Friedhof der interessanteste.

Nizza - Der Jüdische Friedhof

Nizza - Der Jüdische Friedhof


 

Nizzas Altstadt – Vieux Nice

In Friedhofsnähe führen Treppen auf die Rue Rossetti.

Nizza - Treppenaufgang zur Colline du Chateau Nizza - Rue Rossetti

Der folgen wir bis zur Kathedrale Sainte-Réparate an der Place Rossetti, einem kleinen, von sechs- bis siebengeschossigen Häusern umrahmten Platz. Eine Brunnenanlage mit einem Obelisken fehlt ebenso wenig wie die den Platz beanspruchenden Tische der umliegenden Bars und Restaurants. Frankreich wie es leibt und lebt!

Nizza - Restaurants vor der Place Rossetti

Nizza - Restaurants vor der Place Rossetti


Der einzige Schwachpunkt ist die Kathedrale. Sie sollte eigentlich geöffnet sein, leider ist sie verschlossen.

Nizza - Turm der Kathedrale Nizza - Kathedrale Sainte-Réparate Nizza - Kathedrale Sainte-Réparate

Wir gehen durch das Straßengewirr der Altstadt hinüber in die Rue de la Préfecture und passieren die Préfecture, fälschlicherweise an der Rückseite; die Vorderseite ist attraktiver. Auf die Präfektur folgt die Seitenfront des Gerichtsgebäudes und gleich darauf stehen wir auf der Place du Palais de Justice.

Nizza - Rue de la Préfecture mit dem Tour d'Horloge

Nizza - Rue de la Préfecture mit dem Tour d'Horloge


Dieser Platz ist wesentlich größer als die Place Rossetti. Das mächtige Gerichtsgebäude dominiert eine Längsseite des Platzes. Ein weiteres bedeutendes Gebäude auf der anderen Seite des Platzes ist das Palais Rusca. Der denkmalgeschützte Bau entstand in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts als Kaserne. Genutzt wird er heute von der Justizverwaltung. 

Nizza - Der Justizpalast an der Place du Palais Nizza - Der Justizpalast an der Place du Palais Nizza - Palais Rusca an der Place du Palais

Neben dem Palais Rusca ragt der Tour de l’Horloge auf. Der Uhrturm entstand als Symbol der kommunalen Macht circa 60 Jahre vor dem Palais Rusca.

An einer der Schmalseiten des Platzes plätschert ein großer Brunnen. Und wieder laden die unvermeidlichen Bars und Restaurants zum Verweilen und Konsumieren ein. Nizzas belebte Altstadt muss einfach gefallen.

Nizza - Palais Rusca und der Uhrturm Nizza - Brunnen auf der Place du Palais Nizza - Rue du Marché

 

Promenade du Paillon

Den Rückweg zum Bahnhof legen wir mit einer modernen Straßenbahn zurück. Die nächste an Nizzas Altstadt angrenzende Straßenbahnstation liegt an der innerstädtischen Grünzone Promenade du Paillon. Die mehr als einen Kilometer lange und recht breite Anlage verläuft entlang der Altstadt in Richtung der Bucht von Nizza. Die Promenade wurde abwechslungsreich gestaltet. Liebespaare liegen auf dem Rasen, Senioren ruhen auf Bänken neben Bäumen und Büschen aus und Kinder toben unter den Augen ihrer Mütter unter sprudelnden Wasserfontänen durch flache Wasserbecken.

Nizza - Wasserspiele an der Promenade du Paillon Nizza - Promenade du Paillon

 

Nizza - Fazit

Wir haben in Nizza viele schöne Dinge entdeckt. Aber wir bilden uns nicht ein bei unserem Kurzbesuch besonders viel von der Stadt gesehen zu haben. Nizza ist an einem Tag nicht zu schaffen. Viele Straßen und Plätze bleiben unentdeckt. Auch einige Kirchen hätten wir uns gern noch angesehen. Und auch noch das Musée Marc Chagall; von den mehr als 20 anderen Museen ganz zu schweigen.

Und dennoch, was gegen Ende des 19. Jahrhunderts nur Fürsten, Potentaten oder dem Geldadel als Winterdomizil vergönnt war, ist Allgemeingut geworden. Schön, dass es dazu gekommen ist. Villefranche-sur-Mer ist eine wunderbare Tagesetappe auf Kreuzfahrten.

Nizza - Durchgang zur Altstadt

Nizza - Durchgang zur Altstadt


 

Nützliche Hinweise

Wer nicht gerne läuft, kann den Sightseeing-Bus von Nice L’open tour nehmen. Der Bus hält an allen Sehenswürdigkeiten. Die Fahrt kostet im Jahr 2017 für einen Erwachsenen 22 Euro.

Auch die Miniaturzüge der Trains Touristiques de Nice sind eine Alternative zum Gehen. Die einstündige Rundfahrt kostet 10 Euro (Erwachsene).

Außerdem gibt es - über die Stadt verteilt - zahlreiche Stationen mit Mietfahrrädern.

Eine Vielzahl nützlicher Informationen hält im Übrigen die Website http://de.nicetourisme.com in deutscher Sprache bereit.

Charmant ist die Idee der Nice Greeters. Das sind Einwohner Nizzas unterschiedlichster Couleur. Sie führen in ihrer Freizeit Besucher ehrenamtlich durch die Stadt und zeigen ihnen jene Orte, die ihnen besonders am Herzen liegen.