Visby

Visby


Bei der Ankunft in Visby, der Hauptstadt der schwedischen Insel Gotland, fühlen sich Besucher ins Mittelalter zurückversetzt. Die Hafenstadt liegt im Westen der zweitgrößten Insel der Ostsee. Gotland ist mit annähernd 3.000 Quadratkilometern Fläche mehr als dreimal so groß wie die Ostseeinsel Rügen. Gotland ist im Gegensatz zu Rügen relativ dünn besiedelt. Auf der Insel leben insgesamt 60.000 Einwohner (Schätzung Stand 2020); rund 25.000 Menschen wohnen in Visby.
Visby - Panorama mit Ostseefähre
Visby - Panorama mit Ostseefähre


Visby – Geschichte kurzgefasst 

Historische Zeugnisse belegen, dass die Gegend um Visby seit der Epoche der Wikinger zumindest in der wärmeren Jahreszeit regelmäßig besiedelt war. Ganzjährig bewohnt sind Gotland und Visby seit dem 11. Jahrhundert nach Christus. Dank seiner strategisch günstigen Lage entwickelte sich der Ort rasch zum Handelszentrum zwischen dem Westen Europas und dem Baltikum. In der Mitte des 12. Jahrhunderts war Visby zu einem führenden Handelshafen aufgestiegen. In der Hansestadt wurden Tuche, Wein und Gewürze aus dem Süden und Westen Europas sowie schwedisches Eisen, Pelze und Wachs gehandelt. Es kam noch besser: Im 13. und 14. Jahrhundert zählte Visby im Ostseeraum zu den einflussreichsten Städten. Dank der dort ansässigen Kaufleute, unter ihnen viele Deutsche, gelangte die Stadt zu Reichtum. Zeugnis des Wohlstands gaben viele profane und sakrale Bauten. Visby zählte in seiner Blütezeit an die 15 Kirchen und drei Klöster.

Visby - vom Packhusplan abgehende Wohnstraße

Visby - vom Packhusplan abgehende Wohnstraße


Solcher Wohlstand weckte bei Freibeutern Begehrlichkeiten. Den Angriffen der Piraten begegnete die Stadt mit dem Bau einer mit zahlreichen Wehrtürmen versehenen Stadtmauer. Die Gesamtlänge der intakten Mauer misst in der Gegenwart mehr als dreieinhalb Kilometer; die Höhe beträgt zwischen sechs und neun Metern.

Visby - historische Stadtmauer mit Wehrturm

Visby - historische Stadtmauer mit Wehrturm


Visby in der Gegenwart

Visby schmückt sich mit der Feststellung, die am besten erhaltene mittelalterliche Stadt Skandinaviens zu sein. Als vorteilhaft erwies sich die Weitsicht der schwedischen Regierung, die Visby schon im Jahr 1805 unter Denkmalschutz stellte. Damit nicht genug: Im Jahr 1995 nahm die UNESCO die Stadt wegen ihrer zahlreichen mittelalterlichen Bauwerke, darunter Speicher und Kaufmannsvillen, ins Weltkulturerbe auf.

Visby - Strandgatan


Visby - Strandgatan


Visby - Strandgatan


Visby - Strandgatan 


Die Sehenswürdigkeiten Visbys

Visbys Wahrzeichen und Sehenswürdigkeiten sind vor allem die Stadtmauer, die Domkirche und mehrere Kirchenruinen. Weitere Merkmale sind enge Gassen und heimelig wirkende Häuser in grünen, blühenden Gärten. Kurz gesagt: Visby ist ein touristisches Ziel von Rang. Darüber hinaus ist die Stadt das Verwaltungszentrum der schwedischen Provinz „Gotlands län“ und Standort des zur Universität Uppsala gehörenden Campus Gotland.

Altstadtstraße in Visby


Altstadtstraße in Visby


Visby - Stora Torget


Visby - Stora Torget 


 

 

Die Stadt Visby ist in ihrer Gesamtheit eine Sehenswürdigkeit. Die nachstehend genannten Attraktionen bedürfen jedoch der speziellen Vorstellung:

Domkirche zu Visby

Visbys Domkirche Sankt Maria ist das einzige erhalten gebliebene mittelalterliche Gotteshaus der Stadt. Mit dem Bau der dreischiffigen romanischen Basilika wurde im 12. Jahrhundert begonnen. Deutsche Seeleute und Handelsherren initiierten und förderten das Bauvorhaben. Das erklärt, weshalb in das Kirchenschiff eine Zwischendecke mit einem Lagerboden eingezogen wurde. Auf diese Weise, waren die wertvollen Handelswaren geschützt und sicher verwahrt. Die ersten Gottesdienste wurden im Jahr 1225 gefeiert. Im Laufe der nachfolgenden Jahrhunderte wurde die Domkirche mehrfach erweitert und umgebaut. Ein Beispiel dafür sind die gerundeten Turmhauben aus dem 18. Jahrhundert, die die zuvor spitzen Hauben der Kirchtürme ersetzten.

Visby - Turmhauben der Domkirche


Visby - Turmhauben der Domkirche


Visby - Kirchenschiff der Domkirche


Visby - Kirchenschiff der Domkirche 


In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde Sankt Maria die Bischofskirche der Diözese Visby, und seit dem Jahr 2003 vertritt die Marienkirche die Schwedische Kirche als Kathedrale im Ausland.

Visby Domkyrka

Visby Domkyrka


Die Ausstattung des Gotteshauses wirkt verschwenderisch. Hervorzuheben sind der Hochaltar und das aus dem 12. Jahrhundert stammende Taufbecken. Die aus Walnussholz geschnitzte Kanzel ist eine Arbeit des 17. Jahrhunderts. Ähnlich wie in der Domkirche von Tallinn schmücken viele Epitaphe (Gedenktafeln) vorangegangener Jahrhunderte die Wände der Kirche. Die Buntglasfenster entstanden erst in der Neuzeit.

Visby - Pracht vergangener Jahrhunderte


Visby - Pracht vergangener Jahrhunderte


Visby - Kirchenschiff der Domkirche


Visby - Kirchenschiff der Domkirche 


Kirchenruinen

Es heißt, dass Visby im Mittelalter mehr Kirchen besaß als jede andere Stadt in Schweden. Von der ursprünglichen Vielfalt der Kirchen ist lediglich die Domkirche erhalten geblieben. Die anderen Gotteshäuser fielen im Jahr 1525 einem Sturmangriff Lübecker Truppen zum Opfer, fingen Feuer und brannten aus. Zum Gedenken an die Gotteshäuser wurden einige der Ruinen vor dem Verfall bewahrt.

Visby - Ruine der Sankt Clemens Kirche

Visby - Ruine der Sankt Clemens Kirche


Stadtmauer und Mittelalterwoche

Die Stadtmauer wurde von der Mitte des 13. Jahrhunderts an zum Schutz der Hansestadt erbaut. Dank der im 19. Jahrhundert vorgenommenen Instandhaltungsarbeiten gilt die Mauer aktuell als eine der vollständigsten und besterhaltenen europäischen Stadtbefestigungen.

Visby - Wallanlagen neben der Domkyrka

Visby - Wallanlagen neben der Domkyrka


Dänemark eroberte Gotland im Jahr 1361. Zur Erinnerung daran wird auf Gotland jeweils im August die „Medeltidsveckan“, die Mittelalterwoche, gefeiert. Jährlich nehmen ungefähr 200.000 Besucher an den Festivitäten teil. Auf dem Programm der Veranstalter stehen mittelalterliche Märkte und Konzerte sowie historische Spektakel wie Ritterturniere.

Der Botanische Garten

Visby besitzt einen Botanischen Garten mit Bäumen und Sträuchern, die eher nicht in nördlichen Gefilden gedeihen. Ähnlich wie in Svaneke auf Bornholm, wachsen in der vom Nordwestabschnitt der Stadtmauer ausgehenden Gartenanlage Maulbeerbäume und Feigen. Am Rande der Gartenanlage liegt die Ruine der St. Olafskirche. Die Überreste der Basilika S:t Olof sind kaum wahrnehmbar, sie verschmelzen mit dem Grün der umgebenden Bäume und Sträucher. Die Kirche war ursprünglich dem norwegischen Heiligen König Olaf geweiht. Auf ihn geht die Verbreitung des Christentums auf Gotland zurück. Die St. Olafskirche wurde ebenfalls beim Angriff der Lübecker Truppen im Jahr 1525 zerstört. Die Steine des Gotteshauses wurden in der Folgezeit zum Bau von Häusern verwendet.

Visby für Gäste der Kreuzfahrtschiffe

Im Jahr 2019, dem letzten Jahr vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie, liefen gemäß Hafenverwaltung 103 Kreuzfahrtschiffe den Hafen von Visby an. Das Statistikportal „statista“ vermeldet für denselben Zeitraum 1,82 Millionen Passagiere, die mit Fähr- und Kreuzfahrtschiffen in der Stadt eintrafen. Daraus darf geschlossen werden, dass Visby ein allseits geschätztes Reiseziel ist. Kein Wunder: Immerhin erwarten ein gepflegtes Stadtbild, gute Restaurants, Galerien und attraktive Läden die Besucher.

Visby - Lässigkeit am Hafen
Visby - Clematis Huset am Packhusplan
Visby - Idylle im Stadtbild
Visby - überall Schafe im Stadtbild

Obwohl Gotland schöne Landschaften und genügend Sehenswürdigkeiten für längere Aufenthalte bietet, legen Kreuzfahrtschiffe häufig nur für wenige Stunden einen Zwischenstopp in Visby ein. Passagieren, die zu individuellen Ausflügen neigen, empfehlen wir aus Zeitgründen einen Stadtrundgang, der im Zentrum am Stora Torget beginnt. Vom Liegeplatz der Kreuzfahrtschiffe oder dem Anleger der Tenderboote gehen Fußgänger zwei Kilometer ins Ortszentrum.

Visby - MSC Armonia auf Reede
Visby - unterwegs im Hafen
Visby - Silo im Hafen
Visbys Flagge

Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass Gäste von Kreuzfahrtschiffen einen angenehmen und kurzweiligen Aufenthalt in Visby genießen. Die Stadt ist eine Reise wert.

Oktober 2021

 

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