Ein Tag in Brügge

Ein Tag in Brügge


Mehr als 715.000 Gäste von Kreuzfahrtschiffen wurden 2019 im Hafen von Zeebrügge gezählt. Die 4.000 Einwohner zählende Gemeinde ist eine Ortslage der flämischen Stadt Brügge. Die historische Handelsstadt, sie ist seit 1990 UNESCO Weltkulturerbe, bietet ideale Voraussetzungen für individuelle Rundgänge durch das historische Stadtzentrum.

Um nach Brügge zu gelangen, nehmen wir in Zeebrügge den Zug. Vor unserem Stadtrundgang besuchen wir die Touristeninformation In&Out. Sie liegt in der Nähe des Bahnhofs an einem 't Zand genannten, weitläufigen Platz im Zentrum Brügges. In&Out bietet Besuchern im Internet und vor Ort ausgezeichnete Informationen zu Stadtrundgängen.

Brügges Concertgebouw

Neben der Touristeninformation steht das Concertgebouw. Brügges 120 Meter lange und 50 Meter breite Konzerthalle ist mit ihrer roten Farbgebung nicht zu übersehen. Das Auditorium bietet 1.300 Personen Platz. Ein 300 Plätze bietender Kammermusiksaal befindet sich im dazugehörigen 28 Meter hohen Laternenturm. Jährlich werden mehr als 100 Konzerte verschiedener Stilrichtungen im Concertgebouw organisiert. Die Stadt baute die bemerkenswerte Konzerthalle in Verbindung mit der Ernennung Brügges zur Europäischen Kulturhauptstadt des Jahres 2002.

Brügges Concertgebouw

Brügges Concertgebouw


Minnewater, Beginenhof, Halve-Maan-Brouwerij und das Oude Sint Janshospitaal 

Durch eine Grünanlage gehen wir hinüber zum Minnewater. Das in der Neuzeit klein und beschaulich wirkende Wasserbecken war zur Zeit der Hanse Ziel der zwischen Brügge und Gent verkehrenden Transportschuten.

Auf das Minnewater folgt der im Jahr 1245 gestiftete Beginenhof Ten Wijngaarde. In dem weitläufigen Komplex lässt sich nachvollziehen, wie die frommen Beginen in ihrer christlichen, ordensähnlichen Gemeinschaft lebten. Beginen sind Geschichte; heute bewohnen Benediktinerinnen die weiß gekalkten Häuser. Täglich wird um 18:30 Uhr das große Tor der Klosteranlage geschlossen.

Beginenhof - Eingangsbereich

Beginenhof - Eingangsbereich


Kaum mehr als ein Katzensprung trennt den Beginenhof von der Halve-Maan-Brouwerij. Die Brauerei liegt am Walplein 26. Bereits im Jahr 1546 wurde sie urkundlich erwähnt. Noch heute wird an diesem Standort das obergärige Brugse Zot Bier gebraut. Brauereiführungen werden angeboten.

Das Oude Sint Janshospitaal ist eines der ältesten Hospitale Europas. Seine Ursprünge gehen auf das 12. Jahrhundert zurück. Im Oude Sint Janshospitaal erhielten Pilger Herberge und Pflege. Brügge war ein Etappenziel am Jakobsweg. Den Dienst an den Kranken versahen Ordensschwestern und Ordensbrüder.

Oude Sint Jansspital

Oude Sint Jansspital


Im Museum des Hospitals wird ein großer Krankensaal mit allem Mobiliar und den üblichen Gebrauchsgegenständen gezeigt. Das Hospital dient in der Neuzeit als Ausstellungsfläche, Veranstaltungsort und Konferenzzentrum.

Zwei bedeutende Sakralbauten 

Das Hospital und die in der Mariastraat gelegene Onze Lieve Vrouwekerk trennt nur ein kurzer Weg. Der 122 Meter hohe Turm der Liebfrauenkirche wurde aus Backsteinen erbaut, was heute noch als technische Meisterleistung gilt. Die Kirche besitzt viele herausragende Kunstwerke. Besonders gerühmt wird Michelangelos Gemälde Madonna mit Kind. Die Kirche ist ein Museum, lediglich ein Teilbereich findet als Gotteshaus Verwendung.

Onze Lieve Vrouwekerk
Onze Lieve Vrouwekerk - Altar

Durch die Heilige Geeststraat gehen wir hinüber zu Brügges ältester Pfarrkirche, der St. Salvatorkathedrale. Die Ursprünge des gotischen Gotteshauses gehen auf die Zeit um das Jahr 1250 zurück. Wir besuchten die Kathedrale während eines Gottesdienstes, somit war es uns nicht gestattet, den Orgelchor und das Chorgestühl zu sehen. Auch die Wappen der Ritter des Goldenen Vlies blieben uns verborgen. Unbedingt sehenswert ist das Kathedralmuseum mit Gemälden, Grabplatten und Reliquienschreinen. Den aus dem 18. Jahrhundert stammenden Wandteppichen wird ein unschätzbarer Wert nachgesagt.

Sint Salvatorskathedrale

Sint Salvatorskathedrale


Unser nächstes Ziel – der Grote Markt

Einige Hundert Meter trennen die Kathedrale und den Grote Markt. Der Weg dorthin führt durch das geschäftigste Viertel der Stadt. Am Marktplatz angekommen, fühlen wir uns überwältigt. Wir schätzen die Maße auf 100 mal 70 Meter. Die nördliche Flanke des Platzes wird von schmalen Häusern eingenommen, die ausschließlich als Restaurants genutzt werden.

De Grote Markt mit dem Proviniciaal Hof

De Grote Markt mit dem Proviniciaal Hof


Die westliche Seite des Grote Markt bietet Geschäften und Bürohäusern Platz. Ihnen gegenüber steht der im neugotischen Stil errichtete Provinciaal Hof. Hier tagten die Vertreter der Provinz. Aktuell wird das Gebäude ausschließlich zu zeremoniellen Zwecken genutzt. Besichtigungen sind möglich. Die südliche Seite des Marktes wird von Brügges Belfried und den Hallen eingenommen.

Brügges Grote Markt
De Grote Markt mit dem Proviniciaal Hof
Provinciaal Hof
Giebel am Grote Markt

 

 

 

Ein schiefer Turm und der Besucher merkt es nicht. Um 1,19 Meter neigt sich der Turm zur linken Seite. Belfriede waren der Inbegriff der Marktfreiheit einer Stadt. Die Türme galten einst als sichere Aufbewahrungsorte für Archive und Stadtschätze. Als Wachtürme vor Feind und Feuer waren sie ebenfalls von Nutzen. Brügges Belfried wurde ab 1240 als Teil der Hallen erbaut, in denen Tuche gehandelt wurden. Mehrmals brannte der Turm. Einmal ging das Stadtarchiv bei einem Feuer verloren. Das in neugotischem Stil gehaltene, achteckige Obergeschoss erstand erst im Jahr 1822.

Brügges Belfort

Brügges Belfort


Der Turm besitzt ein aus 47 Glocken bestehendes Carillon. Regelmäßig werden ausgiebige Glockenkonzerte gespielt. Auch wir kommen in den Genuss des variantenreichen Spiels. Die Aussichtsplattform ist über 366 Stufen zugänglich. Uns war der Aufstieg wegen langer Wartezeit verwehrt. Schade, den Blick auf die Stadt hätten wir gern genossen.

Bauten am Burgplatz

Nur 100 Meter gehen wir vom Grote Markt zum Burgplatz, an dem Brügges Rathaus steht. Wir glauben, dass es zu den ältesten und schönsten Rathäusern Europas zählt. Allein der gotische Saal mit dem Eichengewölbe ist ein Kunstwerk. Die aus dem 19. Jahrhundert stammenden Wandmalereien beleuchten Szenen aus Brügges Geschichte. Im Historischen Saal nebenan werden geschichtsrelevante Objekte und Dokumente ausgestellt. Die Fassade des Rathauses schmücken 49 Statuen biblischer Gestalten und weltlicher Herrscher.

Brügges Rathaus
Brügges Rathaus - Wandmalereien im Ratssaal

Direkt neben dem Rathaus steht ein eher unauffälliges Gotteshaus, die Doppelkirche der Heilig-Blutbasilika. Architektonisch besteht sie aus zwei übereinander errichteten Gotteshäusern. Unten liegt die romanische St.-Basilius-Kirche, darüber die gotische Basilika der Heilig Blutkapelle. In ihr wird die Reliquie des Heiligen Bluts aufbewahrt. Der Legende nach handelt es sich um ein paar Blutstropfen des Heilands. Ein Adeliger vermachte sie der Stadt Brügge nach dem zweiten Jerusalem-Kreuzzug.

Doppelkirche der Heilig-Blutbasilika

Doppelkirche der Heilig-Blutbasilika


Weitere sehenswerte Gebäude am Burgplatz

Die Alte Kanzlei 
Bei ihr handelt es sich um ein an das Rathaus angelehntes Renaissancegebäude. Den mittleren der drei Giebel des im 16. Jahrhundert entstandenen Bauwerks krönt die goldfarbene Justitia. Sie weist auf den ursprünglichen Verwendungszweck der Alten Kanzlei hin. Nach Errichtung des Alten Gerichtshofes wurde das prächtige Renaissancebauwerk zur Stadtkanzlei umgewidmet.

Die Alte Kanzlei

Die Alte Kanzlei


 

 

Der Alte Gerichtshof 
Der Bau war Sitz des Gerichtes und Tagungsort des Rats der freien Bürger der Region. Daher der Name des Gebäudes: Landhaus des Brügger Freiamtes. Das Wappen über dem Eingangstor belegt diese Aufgabe.

Der Alte Gerichtshof

Der Alte Gerichtshof


Das Haus der Dompröpste
Ein im 17. Jahrhundert fertiggestelltes Gebäude. In ihm residierten die Pröpste der St. Donatianskathedrale. Das Gotteshaus stand ursprünglich dem Rathaus gegenüber, bevor es im Jahr 1799 abgerissen wurde. Teile seiner Grundmauern sind im Kellergeschoss des Crowne Plaza Hotels zu sehen.

Die Domprobstei

Die Domprobstei


Eine Grachtenfahrt durch Brügges Kanäle

Unter dem Bogen der Alten Kanzlei gehen wir hinunter zum Fischmarkt. Die von Säulen getragene und im klassizistischen Stil erbaute Anlage entstand 1820. An Wochentagen wird hier vormittags der traditionelle Fischmarkt abgehalten. Bevor wir das Gebäude ansehen, unternehmen wir eine Grachtenfahrt, ein „Muss“ in Brügge. Die Fahrten zeigen Brügges Sehenswürdigkeiten aus der niedrigen Wasserperspektive.

Ein typisches Grachtenboot

Ein typisches Grachtenboot


Fünf Anlegestellen stehen für Grachtenfahrten bereit. Wir starten am Anlegeplatz Huidenvettersplein. Die Rundfahrt dauert 30 Minuten und kostet 10 Euro. Die Boote sind offen. Für den Fall, dass es während der Fahrt regnet, halten die Bootsführer Regenschirme bereit. Sie erläutern Brügges Sehenswürdigkeiten in mehreren Sprachen.

Anleger Huidenvettersplein

Anleger Huidenvettersplein


Die Fahrt zeigt unweit des Grote Markts am Jean van Eyck Plein mit der Poortersloge eine wenig besuchte Sehenswürdigkeit. Der hoch aufragende Bau entstammt dem 15. Jahrhundert. Er war die Versammlungsstätte der Bürger Brügges und Treffpunkt der wohlhabenden Kaufleute. Der prächtige Profanbau ähnelt einer Kirche. Davor steht die Statue des angesehenen flämischen Malers Jean van Eyck, der im 15. Jahrhundert zu Ruhm gelangte.

Im Hintergrund die Poortersloge

Im Hintergrund die Poortersloge


Das Groeningemuseum und die Godshuizen

Nach Abschluss der Grachtenfahrt führt unser Weg am Fischmarkt vorbei hinüber zum Groeningemuseum. Eine Zeit lang gehen wir an der Dijvergracht entlang. Ein spektakulärer Aussichtspunkt am Rozenhoedkaai lässt die Fotografen regelmäßig zur Kamera greifen. Im Vordergrund liegen die Gracht und mehrere Restaurant-Terrassen, im Hintergrund überragt Brügges Belfried die Szene.

Brügges Vismarkt
Groeningemuseum


Hinter der Liebfrauenkirche versteckt sich ein Museumskomplex. Das Groeningemuseum besitzt die größte Bedeutung. Es zeigt Kunstwerke niederländischer und flämischer Künstler. Die Ausstellung reicht von den Alten Meistern, über die Flämischen Primitiven bis hin zu den flämischen Expressionisten.

Onze Lieve Vrouwekerk

Onze Lieve Vrouwekerk


Zum Abschluss bummeln wir noch die Groeninge hinunter. Nach 400 Meter Wegstrecke stehen wir vor den Godshuizen, den Gotteshäusern. Die im 17. Jahrhundert errichteten Stiftungshäuser Meulenaere und St. Jozef liegen am Nieuwe Gentweg. Die Häuser wurden errichtet, um die Ärmsten der Armen mit Wohnraum zu versorgen. Das Recht, in den kleinen Wohnungen zu wohnen, bedingte geistige Führbitten ihrer Bewohner für die Stifter.

Stiftungshäuser Meulenaere

Stiftungshäuser Meulenaere


Summa summarum – ein lohnenswerter Rundgang

Die von uns in Brügge zurückgelegte Wegstrecke führt über fünf Kilometer. Wir lernten die wesentlichen Gebäude und Plätze kennen. Die Zeit hätte gereicht, noch einzelne Museen anzusehen. Immerhin nehmen wir uns Zeit für eine Erfrischung, bevor wir mit einem kleinen Einkaufsbummel unseren Aufenthalt in Brügge abschließen. Wir lesen auf der Tourismusseite der Stadt, dass 49 Chocolatiers um die Gunst der Kunden buhlen. Auch Souvenirgeschäfte, Anbieter belgischer Spitzen, Kunstgalerien und vieles mehr machen den Besuchern verlockende Angebote.

Eines von 49 Schokoladengeschäften

Eines von 49 Schokoladengeschäften


Jene Gäste die mehr als einen Tag in der Stadt zubringen, sind zu beneiden. Auf sie warten gute Hotels und eine Vielzahl interessanter Restaurants. Wir wissen, wovon wir sprechen. Brügge ist mehr als einen Besuch wert.

Update September 2020