Autor: Karl W. P. Beyer

04.09.2015 – Die weltweit operierende Kreuzfahrt-Industrie ist ein ernstzunehmender Wirtschaftszweig. Jährlich genießen etwa 20 Millionen Gäste ihren Urlaub auf Kreuzfahrtschiffen. Unzählige Menschen finden bei Werften, Schiffsausstattern, Agenten und Reedereien an Land und als Crewmitglieder auf hoher See ihr Auskommen. Die Kreuzfahrt-Industrie steht aber auch für eine Branche, deren Bewusstsein offensichtlich gespalten ist.

Einerseits müssen auf Grundlage von geltenden Rechtsvorschriften in den Zielländern an Bord der Schiffe penibelste Aufzeichnungen über den Verbleib von Gefahr- und Abfallstoffen an Bord der Schiffe erbracht werden. Und bis ins Detail ist z. B. die Behandlung von Essensresten geregelt. Andererseits wird zum Betrieb der Schiffe auf Schweröl, das Abfallprodukt der Erdöl-Raffinerien, gesetzt. Bei der Verbrennung von Schweröl werden umweltschädliche Stick- und Kohlendioxide, Schwefel und Feinstaub in großen Mengen freigesetzt. Wer auf hoher See die den Schornsteinen entweichenden Emissionen betrachtet, kann dabei ins Grübeln kommen. Eines ist sicher: Der ganze Schmutz landet im Meer. Er könnte an Hafentagen auch auf dem umgebenden Land niedergehen und damit Beeinträchtigungen für Mensch, Tier und Natur verursachen.

Cunard - Queen Mary 2 - Der SchornsteinCunard - Queen Mary 2 - Der Schornstein

Der NABU – Naturschutzbund Deutschland e. V. weist in seinen Publikationen regelmäßig auf die umweltschädigende Wirkung von Kreuzfahrtschiffen hin. Soeben wurde das Kreuzfahrt-Ranking 2015 vorgestellt. Dieses Ranking nennt die „Bösewichter“ und die „Guten“. Zu den Bösewichtern zählen laut Studie in alphabetischer Reihenfolge MSC Crociere, Norwegian Cruise Lines, Royal Caribbean International und Viking Ocean Cruises. In die Kategorie der Guten wurden AIDA Cruises und Costa Crociere sowie TUI Cruises einbezogen. Während die Wettbewerber weiterhin eine (Zitat) „fortwährende Verweigerungshaltung“ an den Tag legten, hätten sich die zum Konzernverbund des Weltmarktführers Carnival zählenden Unternehmen AIDA und Costa mit positiven Initiativen zum Thema Umweltschutz hervorgetan.

AIDA Cruises - AIDAsol in Lissabon
AIDA Cruises - AIDAsol in Lissabon

Ihr Spitzenranking erlangen die AIDA- und Costa-Schiffe in Hinblick auf vier georderte Riesenschiffe, die im Antrieb gänzlich auf Schweröl verzichten und stattdessen auf umweltfreundliches verflüssigtes Erdgas LNG (liquefied natural gas) setzen. Diese neue Generation wird erst gegen 2020 in den Markt eingeführt. Positiv wird auch die in Japan in Bau befindliche neue Generation der AIDA-Prima-Schiffe gesehen. All das aber sind Wechsel auf die Zukunft. Für die Gegenwart taugen aus Sicht des NABU nur die AIDAsol und die Schiffe von TUI Cruises etwas. Diese Schiffe sind bereits mit Abgasreinigern, Katalysatoren und Vorrichtungen für Landstromanschluss ausgerüstet. Dabei stellt sich allerdings die Frage, woher den möglichst umweltfreundlich produzierten Landstrom nehmen, wenn kaum ein Hafen darauf eingestellt ist? Soeben hört man, dass der Hafenbetrieb Hamburg-Altona aufgrund technischer Probleme nicht die für dieses Jahr zugesagte Landstromversorgung aufnehmen kann.

TUI Cruises - Mein Schiff 3
TUI Cruises - Mein Schiff 3

Gäste von Kreuzfahrtschiffen werden wohl noch auf längere Zeit mit schlechtem Gewissen reisen müssen.