Autor: Karl W. P. Beyer

17.09.2015 – Im laufenden Jahr kaufte der malaysische Mischkonzern Genting die in Century City, Los Angeles/USA ansässige Luxus-Reederei Crystal Cruises. Bereits bei der Verlautbarung des Kaufs wurde mitgeteilt, dass Crystal Cruises zukünftig mit ausreichenden finanziellen Mitteln ausgestattet würde, um einen Schiffsneubau zu bestellen. Aus einem Schiff wurden drei Hochsee-Kreuzfahrtschiffe der Luxusklasse und zwei luxuriöse Flusskreuzer. Über den Auftrag durfte sich die Bremerhavener Lloyd Werft freuen. Schließlich liegt der Wert des Auftrags bei rund eineinhalb Milliarden Euro.

Die Genting-Gruppe ist ein Mischkonzern, der in den Sparten Biotechnologie, Energie, Glücksspiel, Immobilien, Kreuzschifffahrt und Tourismus aktiv ist. Eine wesentliche Beteiligung besteht an der US-Reederei Norwegian Cruise Line.

Norwegian Getaway - Kabinenfront
Norwegian Getaway - Kabinenfront

Die Lloyd Werft blickt zwar auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2014 zurück. Schließlich buchte sie im Jahr 2013 Aufträge in Höhe von circa 200 Millionen Euro. Dennoch muss die Genting-Gruppe ein wesentliches Interesse haben, dass die Werft für den Bau der fünf Kreuzfahrtschiffe neben deren „normalem“ Geschäft gerüstet und finanziell gut abgesichert ist. Beim Schiffsbau handelt es sich ausschließlich um Projektgeschäfte, bei denen die Finanzierungskonzepte seitens der Auftraggeber vor Aufnahme der Arbeit zu stehen haben. Unabhängig davon sind Werften gezwungen, mit erheblichem finanziellen Aufwand in Vorlage zu gehen. Um also auf der sicheren Seite zu liegen, wird eine namhafte Beteiligung an der Werft angestrebt. Derzeit wird von 25,1 Prozent gesprochen. Anderen Quellen zufolge sollen auch 50 oder gar 70 Prozent Beteiligungsvolumen im Raum stehen.

Derzeit arbeiten etwa 350 Mitarbeiter für die Werft. Durch den Milliardenauftrag würden nach Ansicht des Bremer Bürgermeisters Sieling bis zu 1.000 neue Arbeitsplätze bei der Werft geschaffen. Darüber hinaus würden nach Ansicht der IG Metall im strukturschwachen Bremerhaven und im ebenfalls schwachen Umfeld zusätzlich mehrere Tausend neue Arbeitsplätze entstehen. Der Auftrag gibt dem Unternehmen nach Ansicht der IG Metall Planungssicherheit für die folgenden fünf Jahre.

Auf seine Beteiligung an der Werft will der Gesellschafter BLG Logistics Group völlig verzichten. Auch der Investor Karl Ehlerding (36 Prozent Beteiligung) wird einen Teil seiner Anteile an Genting veräußern. Der Hauptanteilseigner Dieter Petram lässt offen, ob er sich von Anteilen trennt.

Seit Langem schon wird die marode Kaje auf dem Werftgelände beklagt. Das Land Bremen wird sie mit einem Aufwand von rund 45 Millionen Euro instand setzen lassen. Mit der Sanierung wird im Frühjahr 2016 begonnen. - Unter dem Strich bietet der riesige Auftrag eine Win-Win-Situation für alle.