Autor: Karl W. P. Beyer

09.02.2016 – Seit ihrer Außerdienststellung Ende 1969 lag die SS United States in verschiedenen Häfen der Welt auf. Seit 1996 rottet das Schiff in Philadelphia/Pennsylvania vor sich hin. Mehrere Versuche, ihm neues Leben einzuhauchen, schlugen fehl. Nun hat es den Anschein, dass die hochdekorierte US-Luxusreederei Crystal Cruises das Schiff reaktivieren möchte, um es für Luxusfahrten einzusetzen.

Der Bau des Turbinenschiffs in den Jahren 1950 bis 1952 soll 78 Millionen US-Dollar gekostet haben. Die SS United States wurde sowohl für den transatlantischen Passagierdienst als auch als Truppentransporter der USA mit einer Kapazität von 15.000 Mann konzipiert. Die für Flugzeugträger entwickelten Dampfturbinen des Schiffs erzielten eine Gesamtleistung von circa 240.000 PS. Weder die exakte Maschinenleistung noch die definitive Höchstgeschwindigkeit wurden jemals verbindlich erklärt. Bereits bei seiner Jungfernreise ergatterte das Schiff das Blaue Band für die schnellste Atlantikquerung von Passagierschiffen. Die damalige Durchschnittsgeschwindigkeit in östlicher Richtung wird mit sagenhaften 35,6 Knoten angegeben. Die Fahrt dauerte 3 Tage und 11 Stunden.

Im Jahr 2011 wurde das beschäftigungslose Schiff von der SS United States Conservancy übernommen. Die gemeinnützige Organisation verfolgt das Ziel, den Ozeanriesen als „nationales Denkmal“ zu erhalten. Kurz bevor ihr die finanziellen Mittel ausgingen, wurde mit Crystal Cruises eine Kaufoption unterzeichnet.

SS United States - Rendering

SS United States - Rendering©Crystal Cruises

Crystal plant, das „US-Flaggschiff“ als 800-Gäste-Schiff mit 400 luxuriösen Kabinen von mindestens 35 m² Größe zu betreiben. Bevor es dazu kommt, muss bis Ende 2016 eine Machbarkeitsstudie vorliegen. Zu klären ist, ob es möglich ist, 60 Jahre nach seiner Indienststellung das 60.000-Tonnen-Schiff den heute geltenden seerechtlichen Bestimmungen anzupassen. Das Schiff benötigt zudem neue Maschinen und hochentwickelte Marinetechnik. Es heißt, die SS United States werde mit Antriebsmotoren ausgestattet, die ihr den Ehrentitel des schnellsten Passagierschiffs der Welt sichern. Für die Durchführung der Machbarkeitsstudie und die Umsetzung des Bauvorhabens wurde der in Ruhestand lebende Konteradmiral der US-Coast Guard Tim Sullivan reaktiviert.

Die Kosten sollen sich auf 750 Mio. US-Dollar belaufen. Das Schiff könnte 2018 wieder in Dienst gehen. Crystal Cruises möchten ihren Gästen erneut das Gefühl der längst vergangenen Luxusreisen-Ära vermitteln. Dazu sind nicht allein Transatlantikpassagen, sondern auch Reisen von angesagten US-Häfen und Weltumrundungen vorgesehen.