Costa Entschädigung – 11.000 Euro pro Passagier


27.01.2012

Der italienische Reiseindustrieverband Astoi Confindustria teilte am 27.01.2012 mit, dass sich zwölf italienische Verbraucherorganisationen und die Costa Crociere pro Passagier auf Entschädigungszahlungen über jeweils 11.000 Euro geeinigt haben.

Den vereinbarten Regelungen zufolge sollen unverletzte Passagiere mit diesen Zahlungen etwa für den Verlust des Gepäcks und psychische Folgen abgefunden werden. Erstattet würden auch die Kosten für die Heimreise. Hierfür werden 3.000 Euro angeboten. Die Entschädigung soll auch für Kinder gezahlt werden, die kostenfrei mit gefahren sind. Die an den Verhandlungen beteiligte Verbraucherschutzorganisation Adoc teilte ergänzend mit, dass die beschlossene Regelung für ca. 3.000 der 3.200 Passagiere an Bord der Costa Concordia gelte.

Einen Haken hat die Offerte jedoch. Passagiere, die dem Angebot zustimmen, müssen sich verpflichten, nicht gegen Costa Crociere zu klagen. Der Reiseindustrieverband erklärte zu der Übereinkunft, dass die Leistung über den Entschädigungsgrenzen internationaler Vereinbarungen und der gültigen Gesetze läge.

Eine nicht an den Verhandlungen beteiligte italienische Verbraucherschutzorganisation, die Codacons, empfahl dagegen den Passagieren, das Angebot vorläufig nicht anzunehmen. Stattdessen sollten sie sich zuerst auf psychische Schäden untersuchen lassen. Die Organisation bereitet eine Sammelklage gegen die Konzernmutter Carnival vor. Im Rahmen der Klage werden im Minimum 125.000 Euro Schmerzensgeld pro Passagier gefordert. Für ernste Fälle wird an das 2- bis 3-fache der geforderten Summe gedacht. Hinsichtlich jedes Todesopfers soll wenigstens eine Million Euro geltend gemacht werden.

Aus dem französischen Justizministerium ist zu hören, dass sich ein Pariser Gericht mit der Frage der Entschädigung für die zum Zeitpunkt des Unglücks an Bord befindlichen 462 Franzosen beschäftigen werde.

(Karl Beyer)

 

Update 27.01.2012 17:50 Uhr

 

Offizielles Entschädigungsangebot von Costa Crociere

Genua, 27. Januar 2012 – Costa Crociere hat ein Entschädigungsangebot für Gäste vorgelegt, die von dem tragischen Unglück der „Costa Concordia“ am 13. Januar betroffen und nach Hause zurückgekehrt sind. Zugleich drückt Costa Crociere tiefste Anteilnahme für die Familien der Opfer sowie tiefstes Mitgefühl für die Familien der Vermissten aus. 

Für Familien, die Angehörige durch diesen schweren Unfall verloren haben, die verletzt wurden oder bei denen eine medizinische Behandlung erforderlich war, wird es ein separates Angebot geben, das die individuellen Umstände berücksichtigt. 

Die Entschädigung für Gäste, die zwischenzeitlich nach Hause zurückgekehrt sind, setzt sich wie folgt zusammen:

- Eine Einmalzahlung von 11.000 Euro pro Person als Entschädigung für alle materiellen und immateriellen Schäden einschließlich des Verlusts von Gepäck und persönlichen Gegenständen, psychischen Leiden, Schock und der Verlust der Urlaubsfreuden

- Erstattung der Kosten für die Kreuzfahrt einschließlich Hafengebühren

- Erstattung der Ausgaben für An- und Abreise, sofern diese zusammen mit der Kreuzfahrt gebucht waren und noch nicht erstattet wurden

- Volle Erstattung der zusätzlichen Kosten, die entstanden waren, um zur Einschiffung sowie nach Hause zu gelangen

- Erstattung der Kosten für etwaige medizinische Behandlungen im Zusammenhang mit dem Unglück

- Erstattung der Bordausgaben, die während der Kreuzfahrt getätigt wurden

Der Umfang des Erstattungspaketes geht über das hinaus, was derzeit die internationalen Entschädigungsregeln und Gesetze vorsehen. Die Einmalzahlung von 11.000 Euro wird allen Gästen angeboten, auch Kindern jeden Alters, die gratis an der Kreuzfahrt teilnahmen. 

Costa wird diesen Betrag auch nicht reduzieren, wenn persönliche Versicherungen des Reiseteilnehmers bereits eine Regulierung einzelner Posten vorgenommen haben sollten. Gegenstände, die sich im Safe der Kabine befanden, werden nach Bergung des Schiffes an die Eigentümer übergeben. Zudem hat Costa Crociere psychologische Hilfe zugesagt. Gebuchte Gäste, die ihre Costa Kreuzfahrt nun nicht mehr antreten möchten, haben die Möglichkeit bis zum 7. Februar 2012 kostenfrei vom Reisevertrag zurückzutreten. 

Alle betroffenen Gäste erhalten in der kommenden Woche detaillierte Informationen über die weitere Abwicklung, die über eine speziell eingerichtete Serviceabteilung erfolgt.

(Quelle Costa Crociere)