Autor: Karl W. P. Beyer

29.11.2012 – Die MS Deutschland Beteiligungsgesellschaft mbH begibt eine bis zu 60 Millionen Euro schwere Mittelstandsanleihe. Ziel dieser Finanzmaßnahme ist es, von Bankkrediten unabhängig zu werden. Die fünfjährige Anleihe ist mit einem attraktiven Zinssatz von 6,875 Prozent ausgestattet. Gezeichnet werden kann ab dem 5. Dezember bei der Quirin Bank, Berlin. Die Anleihe wird mit einer Schiffshypothek erstrangig besichert.. Außerdem übernimmt der Eigner Aurelius die ersten beiden Jahre eine Zinsgarantie. In Zeiten, in denen sich der Bankkunde mühen muss, bei Sparkassen oder anderen Instituten 1 Prozent Zins auf seine Einlagen zu erzielen, klingen 6,875 Prozent optimal.

Mit dem eingesammelten Geld sollen Finanzverbindlichkeiten neu geordnet werden, man hört von bestehenden Bankkrediten in Höhe von 51 Millionen Euro. Einige der Kredite laufen angeblich bereits in 2013 aus. Da wundert es nicht, dass nun versucht wird, durch Inanspruchnahme des Bondmarkts frisches Geld einzuwerben und die Bilanzstruktur zu verbessern. Außerdem sollen anstehende Investitionsmaßnahmen auf der MS Deutschland und die Wachstumsstrategie des Unternehmens finanziert werden.

Zur Bilanz: Das Unternehmen weist nach Pressemeldungen 11 Millionen Euro Minuskapital aus. Solches sehen Banker nicht gern. Das Minuskapital soll durch Nutzung steuerrechtlich zulässiger Abschreibungsmethoden entstanden sein. In der Unternehmensbilanz wird der Wert der MS Deutschland nur mit 46 Millionen Euro ausgewiesen. Der Schiffswert soll dagegen gemäß eines Wertgutachtens an die 77 Millionen Euro betragen.

Ein Blick auf die Ertragslage: Im Jahr 2011 wurden 253 T€ Verlust eingefahren. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres sind die Erlöse auf 34,1 Millionen Euro rückläufig gewesen (Vorjahr 38,5 Millionen Euro). Der in diesem Zeitraum ausgewiesene operative Gewinn sei auf eine knappe halbe Million Euro gestiegen. „Operativ“ bedeutet, dass Zinsen, Steuern und Abschreibungen das Ergebnis als Aufwandspositionen noch beeinflussen.

Der Spread zwischen den marktüblichen und den vom Unternehmen ausgelobten Zinsen lässt die Emission attraktiv aussehen. Bei einer erfolgreichen Emission, daran wollen wir nicht zweifeln, wird das Unternehmen zukünftig zwar mit weniger (Bank-) Zinsen belastet sein. Aber 6,875 Prozent Zinsen auf 60 Million Euro machen noch immer 4,125 Millionen Zinsaufwand p. a. aus. Die wollen verdient werden. Bei der genannten Ertragslage ist wohl kaum damit zu rechnen, dass nach der Kapitalmaßnahme das Minuskapital signifikant reduziert wird.