Die Kreuzfahrtindustrie und die neuen Technologien


25.08.2016 – Kreuzfahrtschiffe sind bei Umweltschützern schlecht angesehen. Die Hauptkritik entzündet sich an den Emissionen der Schiffe. Gegen Emissionen von Kreuzfahrtschiffen lässt sich etwas unternehmen. Belastbare und wirkungsvolle Systeme zur Abgasreinigung sind mittlerweile vorhanden, und die mit der Einführung verbundenen Kosten halten sich in Relation zu den Gesamtkosten eines Kreuzfahrtschiffs in einem überschaubaren Rahmen.

Es ist wohl anzunehmen, dass das Thema der Emissionen bei der Handelsschifffahrt mit ihren Zigtausenden Schiffen noch längst nicht angekommen ist, aber auf die Kreuzfahrtindustrie fokussiert sich die Kritik der Umweltverbände. Der deutsche Ableger des internationalen Kreuzfahrtverbandes CLIA fühlt sich offenbar genötigt, eine Zwischenbilanz zum Thema Umweltschutz zu ziehen. Der Verband, vertreten durch Karl J. Pojer, CEO von Hapag-Lloyd Cruises, und Helge Grammerstorf, National Director von CLIA Deutschland, führt aus:

„Abgasreinigungssysteme für Kreuzfahrtschiffe sind ein Meilenstein für den maritimen Umweltschutz“. Vor drei Jahren seien solche Systeme noch nicht serienreif gewesen. Inzwischen sind große Fortschritte bei der Entwicklung finanzierbarer und effizienter Technologien für die „gesamte“ Schifffahrt erzielt worden. Europaweit sind laut CLIA bereits 75 Kreuzfahrtschiffe mit Abgasreinigungssystem im Einsatz. Neben den Neubauten rüsten Reedereien auch bereits existierende Schiffe aus. Der Aufwand dafür ist technisch aufwendig und zeitintensiv. Die Investitionskosten liegen bei rund acht bis zehn Millionen Euro pro Schiff.

Royal Princess in Kotor

Royal Princess in Kotor

Probleme machen die Schiffe nicht nur im Betrieb auf hoher See. An Schiffsliegetagen belasten die Abgase der ständig laufenden Schiffsmotoren die Umgegend. Zur Problemlösung bietet sich LNG (Liquefied Natural Gas) als emissionsarme Treibstoffalternative während der Hafen-Liegezeiten und während der Fahrt an. LNG lässt Schadstoffe wie Schwefeloxide oder Rußpartikel gar nicht erst entstehen. CLIA-Mitgliedsreedereien haben die ersten Aufträge für Schiffe mit LNG-Antrieb im Wert von acht Milliarden US-Dollar in Auftrag gegeben. Das scheint uns ein Tropfen auf den heißen Stein; für diesen Wert erhalten die Reedereien gerade einmal zwei Handvoll Kreuzfahrtschiffe.

Eine weitere umweltfreundliche Alternative ist bei Hafenliegezeiten die Stromversorgung durch Landstrom. Wie zu vernehmen ist, erfüllen schon 52 Kreuzfahrtschiffe europaweit die Voraussetzungen für Landstrom. Leider sind die wenigsten Hafenstädte darauf eingerichtet. Hamburg ist eine löbliche Ausnahme.

Cunards Queen Victoria auf Reede vor SantorinCunards Queen Victoria auf Reede vor Santorin

Der Verband berichtet von einer drastischen Reduzierung des Treibstoffverbrauchs von Kreuzfahrtschiffen/Passagier in den vergangenen 20 Jahren. Die Reduktionen liegen bei bis zu 70 Prozent. Auch die Senkung der Schwefelgrenzwerte in bestimmten Bereichen der Nord- und Ostsee hat zu einer deutlichen Verbesserung der Luftqualität in Häfen und Küstengebieten geführt.