Autor: Karl W. P. Beyer

08.08.2018 – Gewohnte Stereotype sind: Ein Kreuzfahrtschiff verursacht so viel Feinstaub wie fünf Millionen Auto (Umweltverband Nabu). Beliebte Kreuzfahrt-Destinationen wie Barcelona oder Venedig werden von Kreuzfahrtschiffen überrannt. Und die Anwohner der Hafenbereiche leiden unter den Emissionen der Kreuzfahrtschiffe.

Kreuzfahrten erfreuen sich einer wachsenden Nachfrage. Die Kreuzfahrt-Industrie reagiert darauf mit weit in die Zukunft reichenden Schiffsbestellungen. Die Orderbücher der Werften sind bis in die Jahre 2024/26 gut gefüllt, und abgesehen von kleinen Expeditions-Kreuzfahrtschiffen, werden die Schiffe immer größer. Die wenigen maßgebenden Branchenführer nutzen ihre Marktchancen. Vor Kurzem veröffentlichte Deutschlands No. 1 bei Kreuzfahrten, AIDA Cruises, den jährlich erscheinenden Nachhaltigkeitsbericht mit dem gefälligen Titel „AIDA cares 2018“.

Es versteht sich, dass AIDA Cruises, ein Carnival-Gruppenunternehmen, die Aktivitäten zu den Themen Umweltschutz und Energieeinsparung plakativ gut präsentiert. Interessant ist jedoch etwas anderes. Gemeint ist das zögerliche Verhalten der Hafenstädte bei der Umsetzung von Umweltschutz-Maßnahmen. Die Hafenbetriebe, als Organe der Hafenstädte hätten es durchaus in der Hand, zum Schutz ihrer Einwohner regulatorische Maßnahmen zu ergreifen.

AIDAprima im Hafen von Rotterdam

AIDAprima - kann im Hafenbetrieb dank des Dual-Fuel-Motors mit LNG betrieben werden


Eine wirksame Maßnahme wäre die Lieferung von Landstrom. Neun von zwölf AIDA-Schiffen sind mit Landstromanschlüssen ausgerüstet. Aber nur ein einziger deutscher Hafen bietet Landstromanschluss, nämlich Hamburg. In Kiel könnte ab 2019 Landstrom verfügbar sein und mit Rostock, dem AIDA-Firmenstandort, werden Gespräche geführt. Wie es mit der Lieferung von Landstrom im restlichen Europa aussieht, darf nur gemutmaßt werden. Schulnote ungenügend!

Und dann wäre da noch die Versorgung mit dem emissionsarmen Flüssigerdgas LNG. Derzeit kann dieser Energieträger nur in sieben europäischen Häfen aufgenommen werden. Auch hier beansprucht Hamburg wieder die deutsche Vorreiterrolle.

Neue Mein Schiff 1 - Scrubber wäscht Abgase der Hilfsmaschine

Neue Mein Schiff 1 - Scrubber wäscht Abgase der Hilfsmaschine


Schlussfolgerung: Solange europa- und weltweit keine Auflagen zur Vermeidung von Schiffsemissionen gemacht werden, bleiben „saubere“ Kreuzfahrtschiffe ein Wunschtraum. Dann bleibt es verantwortungsbewussten Unternehmen überlassen, wirksame Abgasreinigungssysteme wie bei der neuen Mein Schiff 1 zum Einsatz bringen. Übrigens: Norwegen handelt. Ab 2026 dürfen nur noch elektrisch angetriebene Kreuzfahrtschiffe den Geiranger- und den Nærofjord befahren.