Kreuzfahrtschiffe in Venedig - die alte Leier

Kreuzfahrtschiffe in Venedig - die alte Leier


09.08.2019 – Seit Jahren werden Kreuzfahrtschiffe in der Lagunenstadt Venedig als Ärgernis empfunden. Ein Unfall im Juni 2019 mit vier Verletzten, ein MSC Cruises-Kreuzfahrtschiff rammte ein kleines Fahrgastschiff, sorgte für zusätzlichen Ärger. Kreuzfahrtschiffe sollen schnellstmöglich aus dem historischen Stadtkern herausgehalten werden. Regulierungen der Kreuzschifffahrt bestehen bereits seit 2013/2014. Offenbar ohne Erfolg. Nun hat sich Italiens Verkehrsminister Danilo Toninelli in einem Facebook-Video zu Wort gemeldet.

Seit November 2013 dürfen Kreuzfahrtschiffe von mehr as 96.000 BRZ nicht mehr den Canale della Giudecca vor dem Markusplatz durchfahren. Maximal fünf mittelgroße Schiffe, gemeint sind Kreuzfahrtschiffe ab 40.000 BRZ, dürfen den Giudecca-Kanal täglich passieren. Außerdem sollten neue Liegeplätze im wenig attraktiven Vorort Marghera erschlossen werden. Die Maßnahmen hatten zum Ziel, die Fundamente der Stadt vor Wellenschlag zu schützen und zudem die Umweltverschmutzung zu reduzieren. Bereits im Jahr 2013 hieß es, an einer alternativen Route für Kreuzfahrtschiffe werde gearbeitet. Mindestens zwei Jahre sollte der Findungsprozess für neue Zufahrten andauern. Mittlerweile sind sechs Jahre vergangen und nichts Belastbares kam zuwege. Übrigens: Im Jahr 2018 zählte Venedig 1,56 Millionen Kreuzfahrt-Touristen!

Die Eurodam fährt durch den Giudecca-Kanal

Die Eurodam fährt durch den Giudecca-Kanal


Der Unfall im Juni 2019 leitet erneut Wasser auf die Mühlen von Venedigs Kreuzfahrtfahrt-Kritikern. Laut BILD melden mehrere internationale Zeitungen, dass Kreuzfahrtschiffe aus dem historischen Zentrum Venedigs verbannt werden sollen. Als Ausweichhäfen werden Liegeplätze in Fusina weit südlich von Marghera oder in Lombardia genannt. Derweil meldet sich Italiens Verkehrsminister Toninelli über Facebook zu Wort. Er nennt Chioggia und Lido San Niccolò als Ausweichhäfen. All diesen Häfen scheint es derzeit allerdings noch an der notwendigen Infrastruktur zu mangeln.

Auch der Chef der Hafenbehörde für die nördliche Adria in Venedig, Pino Musolini, hat eine Idee. Er rief die Verwaltungen von acht Hafenstädten in einem Brief auf, sich zusammenzuschließen. Das Ziel solle sein, Konfliktsituationen zu vermeiden und auf Reedereien einzuwirken, nur solche Schiffe einzusetzen, „die mit unseren Gegebenheiten und der Umwelt vereinbar sind“. Barcelona, Palma de Mallorca und Marseille sollen bereits positiv auf Pino Musolinis Schreiben reagiert haben.

Bislang glaubten wir immer, dass Städte über die ihnen unterstellten Hafenverwaltungen regulierend auf Kreuzfahrt-Reedereien einwirken würden. Wenn Kreuzfahrtschiffe überhandnehmen und sich als Belastungen für eine Stadt erweisen, reduziert man die Zahl der Anläufe. Das kann so schwer nicht sein! Wo liegt Venedigs Problem?