Autor: Karl W. P. Beyer

31.07.2012 – Emotionen schlagen wirtschaftliche Argumente. Anders ist der Rummel um die geplante Ausflaggung der MS Deutschland nicht zu erklären. Wir wollen das Geschehen noch einmal kurz betrachten:

  • Die Bundesregierung plant, die Fördermittel für Hochseeschiffe zu kürzen. Diese Fördermittel sollen zur Beibehaltung der deutschen Flagge auf deutschen Schiffen beitragen. Im Falle der MS Deutschland würde das bedeuten, dass nach Angaben der Reederei bislang gewährte Subventionen in Höhe von 1,5 Mio. Euro um mindestens 80 Prozent eingedampft werden.
  • Der Investor Aurelius AG wirkt auf die Reederei ein, durch Ausflaggung den Schiffsbetrieb wirtschaftlicher zu gestalten. Denn die Reederei und der Investor haben ein ordentliches Problem zu stemmen. Im Geschäftsjahr 2011 hat das Unternehmen trotz seines bekannt hohen Preisniveaus einen operativen Verlust von ca. 1,5 Mio. Euro eingefahren (einem offenen Brief an den Herrn Bundespräsidenten vom 29.07.2012 entnommen).
  • Dieser operative Verlust und die anstehende Kürzung der Fördermittel gefährden die Tilgung der Bankverbindlichkeiten, die mit 6 Mio. Euro beziffert werden. Man muss nicht BWL studiert haben, um zu erkennen, dass eine solche Lage langfristig nicht aufgeht, sondern die Situation des Unternehmens gefährdet.

ms deutschland
Foto: Reederei Peter Deilmann GmbH

Von einem Investor, der überwiegend in mittelständische Unternehmen investiert, sollte nicht erwartet werden, dass er auf längere Zeit absehbare Verluste trägt. Nun lesen wir also, dass die Eigentümer des Unternehmens auf die geplante Ausflaggung verzichtet haben. Angesicht der „emotionalen Stimmung“ und „angesichts des großen Interesses“ wurde entschieden, das Schiff weiter unter deutscher Flagge fahren zu lassen.

Da nach Angaben der Reederei sich eine notwendige überproportionale Preiserhöhung zur Sicherung der wirtschaftlichen Verhältnisse am Markt nicht durchsetzen lasse, darf die Öffentlichkeit gespannt warten, wann das nächste Mal die MS Deutschland in tiefes Wasser und in die Schlagzeilen gerät.