Autor: Karl W. P. Beyer

21.08.2018 – „Same procedure as every year“ möchte man meinen, wenn der NABU jährlich auf die Umweltgefahren der Kreuzfahrtschiffe hinweist. Auch im laufenden Jahr heißt es: „Schiffsabgase schädigen Mensch und Umwelt.“ Also nicht Neues? Doch: Von 76 untersuchten Kreuzfahrtschiffen kommt diesmal ein deutsches Schiff auf den ersten Rang. Und dessen Karriere steht erst noch bevor.

Wie immer geht es um Schweröl. Anerkanntermaßen der „schmutzigste“ Treibstoff überhaupt. Es ist ein Abfallprodukt der Ölraffinerien, das zu nichts anderem als zum Antrieb von Schiffen zu gebrauchen ist. Und der Kreuzfahrt-Branchenverband CLIA sieht sich allerdings in einigen Punkten genötigt, gegenüber dem NABU Stellung zu beziehen.

Qualmende Costa neoRomantica im Hafen von Civitavecchia

Qualmende Costa neoRomantica im Hafen von Civitavecchia


Der CLIA führt aus, dass der NABU offenbar nicht nach Fahrgebieten differenziert. Es geht dabei um den Schiffsverkehr auf Nord- und Ostsee. Der CLIA erklärt, dass der Einsatz von Schweröl u.a. in der Nord- und Ostsee sowie den angrenzenden Häfen ohne den Einsatz entsprechender Filter verboten ist. Ohne Abgasnachbehandlungssysteme (Scrubber) dürfen Kreuzfahrtschiffe die Bereiche nicht mit Schweröl befahren. Sie müssen stattdessen Marinediesel oder Flüssiggas nutzen.

Der CLIA erklärt, dass nach seinen Erhebungen 111 der aktuell 253 Schiffe der weltweiten Flotte der CLIA-Mitgliedsunternehmen per August 2018 mit Abgasreinigungssystem ausgestattet sind. Es darf wohl angenommen werden, dass sich zwischen 350 bis 400 Kreuzfahrtschiffe weltweit im Einsatz befinden. Interessant wäre es zu wissen, wieviel die Umwelt schädigende Schiffe (Frachtschiffe, Marineschiffe) weltweit genutzt werden. Vorsichtige Schätzungen belaufen sich auf etwa 50.000. Die wenigsten dieser Schiffe dürften andere Treibstoffe als Schweröl verbrennen.

AIDAnova vor Hamburgs Elbphilharmonie

AIDAnova vor Hamburgs Elbphilharmonie - Rendering © AIDA Cruises


Der CLIA erklärt, dass der NABU auch von einer massiven Belastung durch die „zu hohen Luftschadstoffbelastungen durch die boomende Kreuzfahrtindustrie“ spricht. Auch das beruhe nicht auf Tatsachen. Gemäß CLIA tragen Kreuzfahrtschiffe beispielsweise in Hamburg nur zu 1 Prozent zu den Stickoxid-Emissionen bei.

Weitere Argumentationsketten gegen das diesjährige NABU-Ranking folgen. Unser Fazit: Der NABU und die Kreuzfahrtbranche stehen sich dem Anschein nach unversöhnlich gegenüber. - Im Übrigen setzte der NABU die AIDAnova, ein Schiff das auf den Einsatz von Flüssiggas vorbereitet ist, als umweltfreundlichstes von 76 untersuchten Kreuzfahrtschiffen beim Ranking auf den ersten Platz. Das sollte passen.