Autor: Karl W. P. Beyer

06.02.2019 – Beutelschneiderei oder eine geeignete Maßnahme um den Massentourismus in der Lagunenstadt zu begrenzen? Venedigs Bürgermeister Luigi Brugnaro möchte Touristen von Mai 2019 an zur Kasse bitten. Und wieder einmal sind auch die Kreuzfahrttouristen im Visier der Kritiker.

„Overtourism“ ist das neue Schreckenswort. Unter Overtourism leiden beispielsweise die Anwohner in Barcelona, Amsterdam, Dubrovnik oder … Venedig. Im Zentrum der Lagunenstadt wohnen etwa 60.000 Menschen. Nach Angaben des italienischen Touristikamts sollen jährlich etwa 9,5 Millionen Besucher die Provinz Venedig heimsuchen. Dazu kommen Tagesgäste und die mehr als eine Million Passagiere der Kreuzfahrtschiffe. Summa summarum könnten jährlich 30 Millionen Besucher in die historische Altstadt einfallen. An einzelnen Tagen sollen sich bis zu 130.000 Tagesgäste im Stadtzentrum aufhalten.

MS Eurodam in Venedig

MS Eurodam in Venedig


Fakt ist: Tagesgäste konsumieren wenig und sie stehen den Venezianern und den Hotelgästen nur im Weg herum. Diesem Missstand soll ein Ende bereitet werden. Anfangs mit einem Eintrittsgeld und später (2022) vielleicht mit einem zentralen Buchungssystem, wirkungsvollen Zugangssperren und allem was dazugehört, möchte die Stadt der Besuchermassen Herr werden.

Geplant ist Folgendes: Besucher ohne Unterkunft in Venedig sollen im laufenden Jahr zunächst drei Euro bezahlen. Im Jahr 2020 erhöht sich die Eintrittsgebühr auf sechs Euro. Saisonabhängig können in Spitzenzeiten dann vielleicht auch zehn Euro verlangt werden. Studenten und die nach Venedig einströmenden Pendler sind von den geplanten Maßnahmen nicht betroffen. Ausnahmeregeln sollen z. B. auch für Kinder oder  Behinderte gelten. Verstöße gegen das Eintrittsgeld sollen mit hohen Bußgeldern geahndet werden.

Gondel vor der Rialto Brücke

Gondel vor der Rialto Brücke


Italiens Agrar- und Tourismusminister Gian Marco Centinaio bezeichnet das Vorhaben dagegen als „unnütze und schädliche Maßnahme“. Bürgermeister Brugnaro beruhigt die Kritiker. Man wolle nicht Kasse machen. Vielmehr seien die Instandhaltung und die Reinigung der historischen Stadt teuer. Venedig müsse jährlich 30 Millionen Euro mehr aufwenden als andere Städte für ihre „normalen“ Altstädte. Bis zum Monatsende soll über das Eintrittsgeld entschieden werden.