Autor: Karl W. P. Beyer

26.03.2019 – Die Havarie der Viking Sky vor der norwegischen Küste ist für meisten der 1.373 Passagiere und Besatzungsmitglieder zu einem versöhnlichen Ende gekommen. Das Schiff konnte mit eigener Kraft und 24 Stunden nach Absetzen des Notrufs den Hafen der Kleinstadt Molde anlaufen. Circa 30 Passagiere wurden verletzt und am Schiff entstand Sachschaden. Es ist an der Zeit, ein Fazit zu ziehen.

Mit Kreuzfahrtschiffen im März dicht unter Norwegens Küste zu fahren gilt selbst Laien als kritisches Unterfangen. Und nun weiß es auch der Letzte: Das zwischen Trondheim und Ålesund gelegene Seegebiet um Hustadvika ist tückisch. Das ändert aber nichts daran, dass ein 228 Meter langes und 29 Meter breites Kreuzfahrtschiff 7, 8 oder 9 Meter hohe Wellen problemlos bewältigen kann und muss. Unter einer Voraussetzung: Das Schiff muss steuerbar sein. Unklar ist jedoch, warum die Schiffsführung überhaupt die Route durch den Sturm wählte. Das gilt es aufzuklären. Hurtigruten zum Beispiel hat ihre Schiffe an diesem Tag in den Häfen der Region behalten. Noch eines musste klar sein: Bei solchen Wetterbedingungen hätten keine schiffseigenen Rettungsboote ausgebracht werden können.

Schwesterschiff Viking Sun in Bergen

Schwesterschiff Viking Sun in Bergen


Zu klären ist auch, wieso es zum Ausfall der beiden Hauptmaschinen kam. Das Schiff wurde erst im Juni 2017 übernommen. Es ist kein Seelenverkäufer. Gebaut wurde es von einer der Fincantieri-Werften. Die Werftgruppe ist Weltmarktführer im Bau von Kreuzfahrtschiffen. Und was die Motoren anbelangt, sie wurden von MAN, einem ebenso renommierten Hersteller gefertigt. MAN hat, wie zu vernehmen ist, Ingenieure nach Norwegen geschickt, die den Vorkommnissen auf den Grund gehen sollen. Zudem hat die norwegische staatliche Havariekommission Ermittlungen eingeleitet. Und auch bei Viking Ocean Cruises wird es internen Klärungsbedarf geben.

Es ist festzuhalten, dass sich die Reederei bei den Passagieren und der Crew entschuldigte. Den Reisenden gegenüber zeigt man sich großzügig. Die Reisekosten der mit einer Havarie endenden Reise werden den Schiffsgästen erstattet. Außerdem wird jedem Gast zur Entschädigung eine neue Reise angeboten. Die den Gästen in Molde entstandenen Hotel- und Verpflegungskosten gehen auf Rechnung von Viking.

Trotz allem ist das Geschehene ärgerlich und verstörend. Ärgerlich und störend ist es aber auch, dass nun selbsternannte „Experten“ in den Medien die Kreuzfahrt-Industrie durch reißerische Berichterstattung in Misskredit bringen. Ob man es glaubt oder nicht: Kreuzfahrten gehören zu den sichersten Urlaubsformen. Internationale Abkommen, hervorragende Technik und qualifizierte, umsichtige Besatzungen stehen täglich dafür ein.