Autor: Anne Plau

Felsen mit frei lebenden Affen

Heute wird es „very british“. Wir erreichen Gibraltar, das einzige britische Überseegebiet, das Teil der EU ist. Gibraltar liegt an einer ganz entscheidenden Stelle an der südlichen Spitze Spaniens. Hier treffen atlantischer Ozean und Mittelmeer aufeinander, Europa und Afrika sind nur durch die schmale Straße von Gibraltar getrennt.

Gibraltar - Upper Rock

Gibraltar - Upper Rock


Die bekanntesten Bewohner des strategisch bedeutenden Felsens sind die dort seit über 200 Jahren lebenden Berberaffen. Sie sind die einzigen wild lebenden Affen in Europa. Es heißt, Gibraltar bleibt so lange britisch wie diese Affen auf dem Felsen leben. Dafür wird einiges getan. Die Tiere werden ordentlich gefüttert, regelmäßig tierärztlich betreut und genießen ziemliche Narrenfreiheit.

Top of the Rock

Auch unser heutiges Ziel erkunden wir individuell. In Gibraltar geht das gut zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Mehr als 40% von Gibraltar sind Naturschutzgebiet. Viele Strecken sind steil und unwegsam und erfordern einiges an Fitness. Vom Cruise Terminal bis zur Busstation an der North Bastion am Casemates Square gehen wir etwa 1 ½ Kilometer. Dann fahren wir mit dem Bus bis zur Talstation der Cable Car, der Seilbahn, die uns in wenigen Fahrtminuten auf den über 400 Meter hohen Felsen bringt. Vom Top of the Rock, der höchsten Stelle auf 426 Meter, haben wir den perfekten 360° Rundumblick. Im Süden liegt Afrika, davor weit unter uns die Straße von Gibraltar. Im Norden liegt Spanien. Die vierspurige Straße dorthin überquert die Landebahn des Flughafens von Gibraltar. Das ist einzigartig auf der Welt.

Gibraltar - Spanien voraus und Schiffe auf Reede Nordafrika von Gibraltar aus gesehen Minibus-Stau wegen Gibraltars Affen Wellness und Fellpflege

 

Vom Top of the Rock wollen wir zu Fuß zum Ort zurück, vorbei an O’Hara’s Battery, St Michael's Cave und dem Jews’ Gate. An der abschüssigen Straße sehen wir auch die ersten Berberaffen, die sich ohne Scheu vor den vielen Zuschauern im Gelände bewegen. Die meisten Besucher kommen mit Kleinbussen und Taxen auf den Felsen. Entsprechend stark ist die Straße befahren und oftmals stauen sich die vielen Fahrzeuge. Wir sind froh, als wir zur O’Hara’s Battery abbiegen.

Überwältigende Ausblicke

Wieder geht es auf eine Höhe von 420 Metern. Von oben sieht man auf den südlichsten Punkt Gibraltars, den Europa Point mit Trinity Leuchtturm und Moschee. An O’Hara’s Battery beginnen auch die Mediterranean Steps, die bis zum Jews’ Gate auf 180 Meter herunter führen. Diese Stufen führen an den steilen Felsen der Ostküste herunter, dann um die Südspitze herum, immer mit Blick auf die Straße von Gibraltar.

Mediterranean Steps

Mediterranean Steps


Die Stufen sind uneben und zum Teil sehr steil, es ist ein abenteuerlicher Weg. Wir schauen uns den Anfang dieser Stufen an und entscheiden uns für den bequemeren Weg über die Straße bis St Michael’s Cave. Die Höhlen sind ein beliebter Ausflugsort. Es ist so voll, dass wir auf die Besichtigung verzichten. Danach folgen wir einem beschwerlichen Fußweg durch das zerklüftete Gelände bis zum Jews’ Gate. Dort verlassen wir das Naturreservat Upper Rock. Der Weg wird jetzt sehr bequem. Nach wenigen 100 Metern erreichen wir eine Bushaltestelle und steigen in den nächsten Bus bis zum Beginn der Mainstreet.

Alles sehr britisch

Die Main Street führt vom Casemates Square bis fast zur Talstation der Cable Car. Wichtige repräsentative Gebäude befinden sich dort, gleichzeitig ist sie eine beliebte Einkaufsstraße und in wesentlichen Teilen verkehrsberuhigt. Es gibt sehr schöne Lokale und Geschäfte, alles sehr britisch – auch Marks & Spencers sind vertreten. Wir betreten die Main Street am Referendum Gate, passieren das Inces Hall Theatre, die Residenz des Gouverneurs, die King’s Chapel und dann die anglikanische und die römisch-katholische Kathedrale.

Straßenszene im Zentrum Einer der vielen Pubs Gibraltars Government Building im Stadtzentrum King's Chapel

 

Am sehr pittoresken John Mackintosh Square wechseln wir in die parallel zur Main Street verlaufende Irish Town, einen Fußgängerbereich mit vielen, speziell irischen Pubs und Restaurants.

Am Casemates Square steigen wir noch einmal in einen Bus, um uns den Süden von Gibraltar anzusehen. Wir fahren bis zur Sandy Bay. Das ist eine Tour, auf die wir genauso hätten verzichten können. Sandy Bay ist ein ganz normaler kleiner Strand, nichts besonders Aufregendes. Wir hätten besser die Tunnel des Zweiten Weltkriegs angesehen, die sehr interessant sein sollen. Das müssen wir dann nächstes Mal machen. Wir fahren die gleiche Strecke mit dem Bus zurück und machen uns langsam auf den Weg zum Schiff.

Wir verlassen Gibraltar um 17:00 Uhr. Dieses Auslaufen, vom Hafen aus rund um den Felsen und durch die Straße von Gibraltar, ist natürlich der absolute Wahnsinn. Wir sitzen auf dem Außendeck des Buffet-Restaurants auf Deck 14 und genießen jeden Moment, bis der Felsen nicht mehr zu sehen ist.

Gibraltar von Süden

Gibraltar von Süden


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