Mein Schiff – 14 Nächte Karibik Kreuzfahrt – 10. Tag Martinique


Knapp 7.000 km trennen Martinique vom französischen Mutterland. Das französische Überseedépartement ist somit Teil der Europäischen Union. Über 1.128 km² weht die Trikolore.

Mein Schiff legte um 7.00 Uhr morgens in der Inselhauptstadt Fort-de-France am Quai des Tourelles an. Schöner wäre es gewesen, an dem im Ausbau befindlichen Terminal Croisières vor der Pointe Simon zu docken. Der Terminal liegt wesentlich näher zum Stadtzentrum als unser Liegeplatz und attraktiver ist seine Lage auch noch.

Die Größe der Insel allein bedingt viel Sehenswertes. Da uns nur ein Tag mit maximal 10 Stunden Aufenthalt zur Verfügung stand, beschränkten wir uns auf Fort-de-France und das auf der anderen Seite der Bucht liegende Pointe du Bout.

Wir gingen zu Fuß nach Fort-de-France. Der einfach zu bewältigende Fußweg ins Zentrum nimmt etwa 30 Minuten in Anspruch. Anfänglich, solange wir das Hafengebiet umrunden mussten, kam uns die Strecke eher langweilig vor. Zwischendurch wurden uns an einer Straßenkreuzung von Mitarbeitern des Office de Tourisme handliche Stadtpläne ausgehändigt. Das war eine gute Geste. Von diesem Plan unterstützt passierten wir die Prefecture, die Bibliotheque Schoelcher und das Palais de Justice. Alle drei sind sehenswerte Gebäude. Von hier ab bewegten wir uns bereits inmitten der Stadt. Es gab schon eine Menge zu sehen und die Langeweile war perdu. Man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass wir durch eine französische Provinzstadt streiften. Auf Martinique wähnten wir uns in Europa. Gute Straßen, ordentliche Häuser, gepflegte Parkanlagen etc. Wenn da nicht die Landschaft gewesen wäre, die doch verdächtig an tropische Regionen erinnerte.

Martinique Fort-de-France

Wir kamen leider an einem Sonntag nach Martinique. Das war sehr bedauerlich, da wir auf diese Weise nur das Sonntagsgesicht Fort-de-France zu sehen bekamen. An Wochentagen stellen wir uns die Stadt wesentlich quirliger vor. Lebhaft ging es jedenfalls in der Kathedrale Saint-Louis zu. Deutsche Kirchenfürsten würden sich wundern, wie voll eine Kirche an einem Sonntag sein kann. Und dabei war das, was wir da sahen, nur ein „einfacher“ Gottesdienst. Nun ja, andere Länder, andere Sitten.

Kathedrale in Fort-de-France

Seit 1967 ist die Kathedrale Sitz des Erzbistum Saint-Pierre et Fort-de-France. Das Gebäude ist von der Art seiner Errichtung her sehr interessant. Die Einzelteile wurden in Frankreich vorgefertigt und nach Martinique verbracht. Dort wurde dann das dreischiffige Bauwerk im Jahr 1895 als erdbebensicherer Metallskelettbau in Fertigbauweise errichtet. Gerühmt wird die Orgel. Wir kamen während des Sonntagsgottesdienstes in die sehr gut besuchte Kathedrale und konnten uns verständlicherweise nicht weiter umsehen. Es dürfte sich lohnen, hier einige Zeit zu verweilen.

Was sahen wir noch? Vor dem Westportal der Kathedrale, an der Place Monseigneur Romero, wurde uns noch ein Blick auf die Galeries Lafayette geboten. Kein Wunder, wir waren in Frankreich! Danach gingen wir hinüber zur Bucht, zum Boulevard Alfassa, um mit einer der Fähren die Baie des Flamands in Richtung Pointe du Bout zu überqueren. Vom Fähranleger aus hat man einen uneingeschränkten Blick auf das mächtige Fort Saint Louis, das auch heute noch zum Teil militärisch genutzt wird. Später dann, in der weiten Bucht sahen wir die 1.120 Meter hohen Pitons du Carbet. Dazu genossen wir noch einen schönen Blick auf die Stadt. Das Panorama ist überwältigend. Etwas abseits, rechts in der Baie du Carenage, lag Mein Schiff.

Fort-de-France Panorama

Etwa zwanzig Minuten später gingen wir in Pointe du Bout an Land. Die Reiseführer schildern den Ort euphorisch als St.-Tropez der Karibik. Hier badet angeblich Frankreichs High Society. Nun ja, an der Anse Mitan, zu der es uns nach einem kurzen Ortsbummel zog, sahen wir kein bekanntes Gesicht. Wieder kein Promi da! Dafür trafen wir an dem hübschen Strandabschnitt auf eine üppig grüne, hügelige Landschaft mit dazwischen eingestreuten Hotels und Appartementhäusern. Strandrestaurants und einige Schatten spendende Palmen ließen den Strandaufenthalt gut geraten. Ein französisches Diplomatenehepaar, das wir zufällig am Strand kennenlernten, gab uns auf die Schnelle eine Unterweisung in die Situation der Insel und das Befinden ihrer Einwohner. Danach verließen wir, erquickt am Körper und gestärkt im Wissen, diese gastliche Region, nicht ohne am Sportboothafen von Pointe du Bout in der Bar La Marine noch ein Getränk einzunehmen.

Pointe du Bout

Zurück in Fort-de-France genossen wir die letzten karibischen Momente, die der Ort zu bieten hatte, bevor wir vorbei an der Festung und der Place de la Savane in Richtung Schiff zurückgingen. Auf diesem grünen Zentralplatz steht die seit vielen Jahren kopflose Marmorstatue der Kaiserin Josephine. Sie, die erste Gattin Napoleons, wurde auf Martinique als Tochter von Zuckerrohrpflanzern geboren.

Fort Saint Louis

Das war alles in allem ein sehr gelungener Tag.