Mein Schiff – 14 Nächte Karibik Kreuzfahrt – 13. Tag Guadeloupe


An diesem Tag legte Mein Schiff in Frankreich, genauer in Pointe-à-Pitre, der größten Stadt Guadeloupes an. Wir kamen wieder zu spät. Kolumbus entdeckte die Insel 517 Jahre früher. Der Großraum Pointe-à-Pitre dürfte etwa 100.000 Einwohner zählen. Die Stadt ist der wirtschaftliche Mittelpunkt des 1.628 km² großen französischen Übersee-Departements.

Von ihrer Gestalt erinnert die Insel an einen Schmetterling, daher wird sie prosaisch auch die Schmetterlingsinsel genannt. Die beiden Schmetterlingsflügel Basse-Terre (im Westen) und Grande-Terre (im Osten) sind durch einen schmalen, nur 50 Meter breiten, Meeresarm voneinander getrennt. Basse-Terre ist vulkanischen Ursprungs mit bemerkenswert hohen Bergen im Landesinneren. Die höchste Erhebung, der Soufrière, ein aktiver Vulkan, bringt es auf stattliche 1.467 Meter. Um den Berg herum erstreckt sich der 17.300 ha umfassende Nationalpark. Basse-Terre ist infolge seiner Topografie sehr regenreich. Grande-Terre dagegen gründet auf Kalksandstein. Dieser Inselteil ist relativ flach. In Grande-Terre liegt das Zentrum der Hotellerie und des Tourismus.

Guadeloupe - Cascade aux EcrevissesMit unserem Landgang betraten wir also fernab von Europa einen Teil der Europäischen Union. Nach Baden und Sonnen war uns nicht zumute. Deshalb entschieden wir uns, einer Empfehlung folgend, vormittags einen Ausflug in den Nationalpark zu machen. Die Cascade aux Ecrevisses, ein Wasserfall mit kleinem Badesee, sollte unser Ziel sein. Wie bei den Landgängen zuvor verließen wir das Schiff und hielten nach einem Taxi Ausschau. Das war an sich kein Problem. Der noch recht junge Fahrer mühte sich, weitere Fahrgäste zu gewinnen. Offenbar mangelte es ihm jedoch an akquisitorischen Fähigkeiten. Was er auch versuchte, es gelang ihm einfach nicht, noch weitere Gäste zu finden. Also fuhren wir nur zu dritt übers Land. Sehr schade für ihn.

Am Bestimmungsort angekommen fanden wir einen gepflasterter Weg vor, der vom großen Parkplatz zum eigentlichen Ziel führte. Wir dürfen wohl vermuten, dass hier EU-Mittel zum Wohle der zahlreichen Besucher des Naturparks eingesetzt wurden. Nach einem eher kurzen Weg vorbei an unbekannten Bäumen und Pflanzen standen wird dann am See und am Wasserfall. Unsere Meinung zu diesem Ausflug: Den kann man sich getrost schenken. Das war die 20 Euro Fahrpreis pro Person nicht wert.

Wir ließen uns zum Schiff zurückfahren und machten uns im Anschluss daran auf den Weg nach Pointe-à-Pitre. Das kleine, gut gemachte Terminal Croisières liegt nicht weit vom Zentrum entfernt. Entlang der schnurgerade verlaufenden Rue Achille René Boisneuf liefen wir vorbei an morbiden, vom Zahn der Zeit gezeichneten Häusern Richtung Stadtmitte. Am Ende des Weges stößt die Straße auf ein Hafenbecken, in dem kleinere Schiffe anlegen. Hier steht auch die offene Markthalle, die durchaus sehenswert ist. Direkt am Kai nahmen Fischhändler den Catch of the Day aus. Die Innereien der Fische wurden praktischerweise sogleich im Hafenbecken entsorgt. Sehr zur Freude der über uns kreisenden Fregattvögel, die sich auf diese leichte Beute stürzten. Dabei konnten wir erstmalig die wahre Größe dieser wunderbaren Flieger, an sich aber recht hässlichen Vögel aus der Nähe sehen.

Guadeloupe - Koloniale Bauten Guadeloupe - Markthalle am Hafen Guadeloupe - Fischstand

Dem Hafenbecken gegenüber liegt die Place de la Victoire, an deren Rand mächtige Bäume Schatten spenden. An diesem Ort kann man sich gut ausruhen und in einem der Straßencafés etwas trinken. Von hier ist es nicht mehr weit bis zu der kleinen, lichten Basilika St Pierre et St Paul und zum Palais de Justice. Die Kirche verfügt über ein eisernes Skelett, das vor Erdbeben und Hurrikanen schützen soll.

Guadeloupe - An der Place de la Victoire Guadeloupe - St Pierre et St Paul Guadeloupe - Kircheninneres

Zum Schiff zurück gingen wir durch die Rue Henri IV, die ebenso schnurgerade wie die Rue Boisneuf verläuft. Nachdem wir das dem Gegner der Sklaverei gewidmete Musée Schoelcher (Rue Peynier) passiert hatten, sahen wir bald darauf wieder Mein Schiff über die vorwiegend zweigeschossigen Häuser hinausragen. Zurück auf dem Schiff sahen wir dann, dass es doch noch einige Hochhäuser in der Nähe des Piers gibt, die wir bis dahin nicht wahrgenommen hatten.

Guadeloupe - Musée Schoelcher Guadeloupe - Mein Schiff überragt die Häuser


Alles in allem war das ein lohnenswerter Spaziergang. Die Stadt erinnert ein wenig an Bridgetown. Die gewonnenen Eindrücke waren nicht spektakulär. Missen möchten wir sie dennoch nicht. Sie zeigen uns, die wir uns häufig über irgendetwas in unserem Land beklagen, wie es in anderen, weniger bevorzugten Regionen der EU aussieht.

Punkt 18.00 Uhr wurden die Leinen gelöst. Das Schiff glitt vorbei an der Fregatte F 712 Courbet, dem Stolz Frankreichs, hinaus in den karibischen Abend. Auf Reede lag die deutsche MS Vistamar, die sich bisher unseren Blicken entzogen hatte.

Guadeloupe - Fregatte Courbet Guadeloupe - MS Vistamar auf Reede


Im Restaurant Anckelmannsplatz wurde mitten in der Karibik um 18.30 Uhr ein Bayerischer Abend eingeläutet. Das wöchentliche Krimidinner im Steakhouse Surf & Turf nahm ab 19.00 Uhr seinen Lauf. Um 21.30 lockten eine Poolparty und ein Früchtebuffet. Mit anderen Worten: Business as usual.